Bunkerlinge Logo

Cannabinoide im Überblick: Eigenschaften, Wirkmechanismen und aktueller Forschungsstand

Einführung

Die Cannabispflanze produziert über 100 verschiedene Cannabinoide – chemische Verbindungen, die mit dem menschlichen Endocannabinoidsystem (ECS) interagieren. Die bekanntesten sind THC und CBD, doch neuere Forschung untersucht zunehmend auch seltene Cannabinoide wie CBG, CBC, THCV oder CBN. Dieser Artikel bietet eine faktenbasierte, strukturierte Übersicht aller bisher wissenschaftlich identifizierten Cannabinoide – inklusive möglicher therapeutischer Wirkungen.

Hinweis: Die hier aufgeführten Angaben basieren ausschließlich auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Es handelt sich nicht um Heilaussagen oder medizinische Empfehlungen.


Cannabinoid Abkürzung Mögliche Eigenschaften Psychoaktiv? Forschungsstatus
Δ9-Tetrahydrocannabinol THC Analgetisch, appetitanregend, muskelentspannend Ja Gut untersucht
Cannabidiol CBD Antikonvulsiv, anxiolytisch, antipsychotisch Nein Sehr gut untersucht
Cannabigerol CBG Entzündungshemmend, neuroprotektiv, antimikrobiell Nein In vivo/in vitro Daten vorhanden
Cannabinol CBN Sedierend, appetitfördernd Leicht Begrenzt klinisch untersucht
Cannabichromen CBC Antidepressiv, entzündungshemmend, schmerzmodulierend Nein Präklinisch dokumentiert
Δ8-Tetrahydrocannabinol Δ8-THC Gering psychoaktiv, angstlösend Ja (leichter) Begrenzte Datenlage
Cannabidivarin CBDV Antiepileptisch (Dravet, Lennox-Gastaut), neuroprotektiv Nein Klinisch (Phase II/III)
Tetrahydrocannabivarin THCV Appetithemmend, antidiabetisch (Typ 2) Gering Klinisch evaluiert
Cannabicyclol CBL Vermutl. entzündungshemmend (oxidiertes CBC) Nein Frühphase
Cannabitriol CBT Möglicherweise neuroaktiv, kaum untersucht Nein Sehr begrenzt
Cannabielsoin CBE CBD-Abbauprodukt, kaum Daten Nein Experimentell
Cannabifuran CBF Struktur bekannt, Wirkung unklar Nein Frühphase strukturell beschrieben
Cannabichromanon CBCN CBC-Derivat, kaum erforscht Nein Nicht klinisch validiert
Cannabidiphorol CBDP Struktur analog zu CBD, potenziell ähnlich wirksam Nein 2019 entdeckt, kaum Daten
Tetrahydrocannabiphorol THCP Hochpotent (CB1-Bindung), Schmerzreduktion vermutet Ja 2019 entdeckt, in vitro getestet
Cannabigerovarin CBGV Vorläufer zu THCV/CBDV, kaum erforscht Nein Frühphase
Cannabidivarinic Acid CBDVA Vorstufe von CBDV, antioxidative Aktivität Nein Tiermodell vorhanden
Tetrahydrocannabivarinic Acid THCVA Inaktiv, decarboxyliert zu THCV Nein Bestandteil von THCV-reichen Sorten

📚 Quelle u. a.: Morales et al., 2017, Citti et al., 2019


In der frischen Cannabispflanze liegen Cannabinoide meist in ihrer Säureform vor. Erst durch Decarboxylierung (Hitzeeinwirkung) werden sie pharmakologisch aktiv.

Säureform Aktivierte Form Hinweis
THCA THC Nicht psychoaktiv in Rohform
CBDA CBD Inaktiv, entzündungshemmend möglich
CBGA CBG „Mutter-Cannabinoid“ für viele andere
CBCA CBC Wenig erforscht
THCVA THCV Aktiviert durch Erhitzen

Medizinisches Potenzial – ohne Heilaussagen

Die Forschung zu Cannabinoiden zeigt vielversprechende Anwendungsfelder in zahlreichen medizinischen Bereichen. Hier eine vertiefte Übersicht möglicher Wirkbereiche ausgewählter Cannabinoide – basierend auf gegenwärtigen Studien:

Schmerztherapie

Neurologische Erkrankungen

Psychische Erkrankungen

Schlafstörungen

Stoffwechsel & Appetit

Entzündliche Erkrankungen & Immunmodulation

Onkologie (präklinische Forschung)

Hinweis: Diese Effekte basieren auf aktuellen Studien, vorwiegend in vitro oder Tiermodellen. Klinische Validierungen sind größtenteils noch ausstehend.

📚 Quellen:


Fazit

Die Cannabispflanze enthält eine bemerkenswerte Vielfalt an Cannabinoiden. Viele davon sind pharmakologisch aktiv oder stehen im Fokus der modernen Forschung. Während THC und CBD bereits gut untersucht sind, gewinnen seltener vorkommende Cannabinoide wie THCV, CBG, CBDV und THCP zunehmend an Bedeutung.

Ihr therapeutisches Potenzial wird aktuell in präklinischen und klinischen Studien untersucht. Dabei zeigt sich: Nicht einzelne Wirkstoffe, sondern ihr Zusammenspiel – der sogenannte Entourage-Effekt – könnte künftig für personalisierte Cannabistherapien entscheidend sein.

Dieser Artikel basiert ausschließlich auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und enthält keine gesundheitsbezogenen Versprechen.


⬅️ Zurück