Cannabinoide in Cannabis: Wirkung, Unterschiede und medizinisches Potenzial

Einführung

Cannabinoide sind die primären Wirkstoffe in der Cannabispflanze. Sie interagieren mit dem körpereigenen Endocannabinoidsystem (ECS) und beeinflussen Prozesse wie Schmerzempfinden, Appetit, Schlaf, Stimmung und Immunfunktionen. Die bekanntesten Cannabinoide sind THC und CBD, doch es gibt über 100 weitere – viele davon mit therapeutischem Potenzial.


Was sind Cannabinoide?

Cannabinoide sind chemische Verbindungen, die fast ausschließlich in Cannabis vorkommen. Sie wirken entweder direkt oder indirekt auf die CB1- und CB2-Rezeptoren des ECS.

Man unterscheidet:

  • Phytocannabinoide – aus der Cannabispflanze
  • Endocannabinoide – körpereigene Botenstoffe
  • Synthetische Cannabinoide – künstlich hergestellt

Hier geht es um die natürlichen Cannabinoide aus Cannabis.


Die wichtigsten Cannabinoide im Überblick

CannabinoidAbkürzungWirkungPsychoaktiv?
THCΔ9-THCEuphorisierend, schmerzlindernd, appetitanregendJa
CBDCannabidiolEntzündungshemmend, angstlösend, antipsychotischNein
CBGCannabigerolAntibakteriell, neuroprotektiv, augendrucksenkendNein
CBNCannabinolSedierend, leicht psychoaktiv, aus oxidiertem THCGering
CBCCannabichromenEntzündungshemmend, antidepressiv vermutetNein
THCVTetrahydrocannabivarinAppetitzügelnd, evtl. antidiabetischGering
CBDVCannabidivarinAntiepileptisch, Forschung bei AutismusNein
Δ8-THCDelta-8-THCWeniger psychoaktiv als Δ9-THCJa (leicht)

Cannabinoide und das Endocannabinoidsystem

Das ECS besteht u. a. aus zwei Hauptrezeptoren:

  • CB1-Rezeptoren: im zentralen Nervensystem
  • CB2-Rezeptoren: im Immunsystem und peripheren Organen

Beispielhafte Wirkung:

  • THC → bindet direkt an CB1 → Rauschwirkung & Schmerzlinderung
  • CBD → beeinflusst indirekt CB1/CB2, hemmt FAAH → mehr Anandamid
  • CBG → leicht agonistisch an CB1/CB2 → entzündungshemmend, neuroprotektiv

📚 Quelle: Zou & Kumar, 2018 – PMC


Der Entourage-Effekt

Mehrere Cannabinoide zusammen wirken oft besser als isolierte Einzelstoffe – dieser Synergieeffekt wird Entourage-Effekt genannt.

Beispiel:

  • CBD mildert THC-induzierte Nebenwirkungen (z. B. Angst, Unruhe)
  • CBG verstärkt die Wirkung von CBD bei Entzündungen
  • Terpene (z. B. Myrcen, Limonen) tragen zusätzlich zur Gesamtwirkung bei

📚 Quelle: Russo, 2011 – PubMed


Säureformen & Decarboxylierung

In der frischen Pflanze liegen Cannabinoide in inaktiver Säureform vor:

SäureformAktive Form
THCATHC
CBDACBD
CBGATHCA, CBDA, CBCA (je nach Enzympfad)

Durch Erhitzen (Decarboxylierung) – z. B. beim Rauchen oder Backen – wird die psychoaktive oder therapeutisch wirksame Form aktiviert.


Medizinisches Potenzial

Einige belegte oder erforschte therapeutische Anwendungen:

  • THC – Schmerz, Übelkeit, Appetitlosigkeit
  • CBD – Epilepsie, Angststörungen, Entzündungen
  • CBG – Darmerkrankungen, bakterielle Infektionen
  • CBN – Schlafstörungen
  • CBDV – Epileptische Anfälle, Autismus (in klinischer Prüfung)

📚 Quelle: Pertwee, 2015 – PubMed


Fazit

Cannabinoide sind die Hauptwirkstoffe der Cannabispflanze. Ihre Wirkung hängt von ihrem Zusammenspiel, ihrer Menge, ihrer Aktivierungsform und der Rezeptorbindung ab. Sie sind für viele medizinische Anwendungen interessant – von Schmerz über Entzündung bis zu neurologischen Erkrankungen.

Die Genetik der Cannabissorte (z. B. über Hanfsamen) entscheidet über das Cannabinoidprofil – und damit über Wirkung und Eignung.