Cannabis in Öl – die Verfahren im Vergleich

Ein Ölauszug wird durch zwei Vorgänge stark. Die Säure muss sich umsetzen, und der Wirkstoff muss ins Fett übertreten. Beide Schritte laufen bei ähnlichen Temperaturen ab, folgen aber verschiedenen Gesetzen, und die verbreiteten Anleitungen decken meist nur einen davon zuverlässig ab. Wer sein Ergebnis verbessern will, sollte deshalb zuerst wissen, welcher der beiden Schritte bei ihm hakt.

Die zwei Schritte

Die Umsetzung hängt an Temperatur und Zeit und läuft im Material selbst ab; sie ist im Artikel zur Decarboxylierung beschrieben. Der Übertritt ins Fett ist Diffusion und hängt an Kontaktfläche, Zerkleinerung, Verhältnis von Pflanze zu Fett und wieder an der Zeit. Vollständig umgesetzte Blüte, die zu kurz im Fett lag, ergibt ein schwaches Öl. Umgekehrt nützt eine lange Infusion wenig, wenn die Säure noch weitgehend unumgesetzt ist.

Ofen, kurz und heiß

Die einzige direkt gemessene Bedingung für eine vollständige Umsetzung der Hauptsäuren sind dreißig Minuten bei 145 °C. Dabei entstand nur wenig Cannabinol, aber die Terpene waren danach fast vollständig verschwunden: von den Monoterpenen ließen sich nur noch Spuren nachweisen. Wer diesen Weg geht, sollte flach ausbreiten statt häufen und das Gefäß abdecken, weil offene Luftführung genau die Verluste erzeugt, die man sich sparen kann.

Das Wasserbad im Glas

Blüten mit Öl in ein Glas, das Glas in kochendes Wasser, ein bis zwei Stunden bei rund 98 °C: das ist ein publiziertes und in Apotheken angewandtes Verfahren, und es erhält von allen geprüften Wegen die meisten Terpene. Es setzt die Säure allerdings nur zu einem kleinen Teil um. In der Untersuchung, die dieses Protokoll beschreibt, lagen nach zwei Stunden 5 bis 10 % des Gesamtgehalts in der wirksamen Form vor. Für ein terpenreiches Präparat ist das eine bewusste Entscheidung, für maximale Potenz nicht.

Langes Köcheln im Fett

Der Küchenklassiker hält das Material unter Fett statt in Luft und schließt damit die beiden Verlustwege, die den offenen Ofen teuer machen. Über mehrere Stunden bei 95 bis 100 °C erledigt er beide Schritte in einem Zug. Ab welcher Gesamtzeit die Umsetzung dabei praktisch vollständig ist, ist nicht gemessen, und die vorliegenden Angaben widersprechen einander: die Ratenkonstanten aus Ofenversuchen sagen einen weit fortgeschrittenen Umsatz nach zwei Stunden voraus, die Messung am Ölauszug zeigt ihn nicht. Wer auf Nummer sicher gehen will, kombiniert deshalb den kurzen heißen Vorschritt mit der langen milden Infusion.

Fettwahl

Olivenöl ist als Träger für Cannabinoide und Terpene direkt gemessen und wird als günstig, unbrennbar und untoxisch empfohlen. Sein Nachteil ist, dass sich ein Ölauszug nicht durch Verdampfen aufkonzentrieren lässt: man muss mehr davon nehmen. Kokosöl und Butter sind verbreitet, ein belastbarer Vergleich der Ausbeute zwischen den Fetten liegt für Küchenbedingungen nicht vor. Aktivkohlefilterung, gelegentlich zur Entfärbung empfohlen, entfernt in Alkoholauszügen zugleich rund die Hälfte der Wirkstoffe und wird ausdrücklich nicht empfohlen. Von Naphtha und Petrolether ist abzuraten, weil messbare Kohlenwasserstoffreste im Auszug bleiben.

Wasser und Haltbarkeit

Ein Schluck Wasser begrenzt die Temperatur im Topf auf 100 °C und verhindert lokales Überhitzen. Ob er die Potenz erhöht, ist nicht gemessen. Sicher belegt ist dagegen die andere Seite: bleibt Wasser im fertigen Auszug, wird aus dem Öl ein verderbliches Lebensmittel. Öl ist sauerstoffarm und säurearm, also die Umgebung, in der Sporen auskeimen können, und Behördenempfehlungen zu Kräuterölen ohne Säuerungsschritt verlangen Kühlung und Verbrauch binnen weniger Tage. Das Wasser gehört deshalb nach dem Köcheln abgetrennt, nicht mit eingelagert. Was ein Emulgator daran ändert und was nicht, steht im Eintrag zu Lecithin.

Quellen