Beet curly top virus (BCTV) in Cannabis – Symptome, Zikadenübertragung und Schutzmaßnahmen
Beet curly top virus (BCTV) ist ein bedeutender Pflanzenvirus, der insbesondere im Freiland-Cannabisanbau verheerende Schäden verursachen kann. Es gehört zur Familie Geminiviridae (Gattung Curtovirus) und ist berüchtigt für seine kraus verformenden Effekte auf Blätter. In Nordamerika wurden in Hanf-Feldern Infektionsraten von über 80 % festgestellt. Besonders gefährlich: Das Virus wird durch Zikaden (Circulifer tenellus) übertragen – und nicht über Samen oder Stecklinge.
Allgemeine Informationen
- Name: Beet curly top virus (BCTV)
- Taxonomische Einordnung: Familie Geminiviridae, Gattung Curtovirus
- Genom: Zirkuläre einzelsträngige DNA (ssDNA)
- Wirtspflanzen: Sehr breit – über 300 Arten, inkl. Cannabis, Zuckerrüben, Tomaten, Spinat
Übertragung
Hauptvektor:
- Rübenblattzikade (Circulifer tenellus)
→ persistente zirkulative Übertragung (das Virus zirkuliert und vermehrt sich in der Zikade)
Besonderheiten:
-
Keine Übertragung über:
- Samen
- Pollen
- Stecklinge
- Werkzeuge oder mechanisch
-
Cannabis wird nur durch virustragende Zikaden im Freiland infiziert.
Symptome bei Cannabis
Vegetative Phase:
- Auffälliges, mosaikartiges Muster mit hell- und dunkelgrünen Blattarealen
- Stark gekräuselte oder eingerollte Blätter („Curly Top“)
- Wachstumsstörungen, Zwergwuchs
- Verdickte, ledrige Blätter
- Blattränder oft nach oben gebogen
Generative Phase:
- Mosaik- und Kräuselsymptome setzen sich in den oberen Pflanzenteilen fort
- Kleinere oder vollständig fehlende Blütenbildung
- Pflanzen können vorzeitig absterben
- Buds sind verkrüppelt, unterentwickelt und qualitativ minderwertig
Diagnose
Sichtprüfung:
- Starke Blattverkräuselung in Kombination mit Mosaikmuster ist typisch für BCTV
- Kann mit CMV oder PVY verwechselt werden – aber CMV verursacht selten solche starke Kräuselung
Labortests:
- PCR-basierter Nachweis der viralen ssDNA ist zuverlässig
- Kein Schnelltest (ImmunoStrip) für BCTV im Cannabisbereich verfügbar
- Einige Labore bieten BCTV-Tests auf Nachfrage an
Bedeutung im Hobbyanbau
In den USA wurden 2019–2021 viele kommerzielle Hanffelder durch BCTV geschädigt. Besonders Outdoor-Grows sind gefährdet, wenn sie sich in der Nähe von Zuckerrüben-, Tomaten- oder Spinatfeldern befinden – dort nistet die Rübenblattzikade häufig. Indoor ist BCTV praktisch irrelevant, da die Zikade nicht eindringen kann.
Prävention und Management
Zentrale Maßnahmen:
- Zikadenkontrolle ist essenziell
- Einsatz von feinmaschigen Insektennetzen im Freiland
- Gelbtafeln zur Überwachung, obwohl Zikaden weniger stark davon angezogen werden
- Unkrautentfernung im Umfeld (viele Wildkräuter sind Wirtspflanzen)
Weitere Strategien:
- Nicht in der Nähe von Risikokulturen anbauen (Zuckerrüben, Tomaten)
- Keine besonderen Anforderungen an Stecklinge/Samen, da keine vertikale Übertragung
- Im Verdachtsfall infizierte Pflanzen entfernen
Behandlungsmöglichkeiten
Eine Heilung von BCTV-infizierten Pflanzen ist nicht möglich. Auch thermische oder chemische Behandlungen zeigen keine Wirkung gegen DNA-Viren wie BCTV. Eine einzige virustragende Zikade kann den gesamten Bestand gefährden – daher ist präventiver Zikadenschutz die einzige wirksame Strategie.
Quellen
- Giladi, Y. et al. (2020): First Report of Beet Curly Top Virus Infecting Cannabis sativa in Western Colorado. Plant Disease, 104(2): 999.
- Hu, J. et al. (2021): First Report of Beet Curly Top Virus Infecting Industrial Hemp (Cannabis sativa) in Arizona. Plant Disease, 105(4):1233.
- Miotti, N. et al. (2023): A Guide to Cannabis Virology. Viruses, 15(7):1532.
- Chiginsky, J. et al. (2021): First Insights Into the Virus and Viroid Communities in Hemp (Cannabis sativa). Frontiers in Agronomy, 3:778433.