Fusarium proliferatum bei Cannabis – Symptome, Ausbreitung im Stängel und Bedeutung in der Vermehrung

Fusarium proliferatum ist ein Schlauchpilz mit sehr breitem Wirtskreis, der 2020 erstmals an Cannabis als Erreger von Wurzelhals- und Stängelfäule sowie Marknekrose beschrieben wurde. Auffällig ist weniger das äußere Schadbild, das dem anderer Wurzelerkrankungen gleicht, als der Weg, den der Pilz im Inneren der Pflanze nimmt. Für Betriebe mit eigener Mutterpflanzenhaltung ist er deshalb vor allem ein Vermehrungsproblem.

Symptome

Betroffene Pflanzen zeigen Blattvergilbung, Blattnekrosen und Blattfall, dazu Fäule am Wurzelhals und eine innere Braun- bis Schwarzfärbung des Markgewebes. An bewurzelten Stecklingen tritt das Bild als Umfallkrankheit auf: die jungen Pflanzen kippen um und sterben ab. Von außen ist die Marknekrose nicht zu erkennen, sie zeigt sich erst im Längs- oder Querschnitt.

In den Nachweisversuchen waren fünfzehn Cannabis-Sorten betroffen, sowohl Mutterpflanzen als auch Pflanzen in der vegetativen und der Blütephase. Eine Sortenresistenz ist damit nicht in Sicht.

Ausbreitung im Inneren

Der Stängel einer Cannabispflanze wird mit zunehmendem Alter des Gewebes innen hohl, weil das Markparenchym abgebaut wird. Dieser Kanal ist als Weg beschrieben, auf dem Mycel, Sporen und Bakterienzellen nach oben durch die Pflanze wandern können. Bei Fusarium proliferatum ließ sich der Erreger noch in hundert bis hundertfünfzig Zentimetern Abstand vom Wurzelhals nachweisen.

Elektronenmikroskopisch zeigten die Markgewebe inokulierter Stecklinge binnen fünf Tagen kollabierte Parenchymzellen und Zelltod, und Mycel wuchs von den Epidermiszellen in das Mark hinein. Die Geschwindigkeit der Symptomentwicklung legt nahe, dass neben dem Pilz auch seine Stoffwechselprodukte am Schadbild beteiligt sind.

Praktisch bedeutet das: ein Erreger, der einmal im Mark sitzt, breitet sich dort aus, wo keine Spritzbrühe hinkommt.

Eintrittspforten

Die Wiederfindung von Pilzen aus Stängelgewebe ist am Wurzelhals am höchsten und nimmt nach oben hin ab. Frische Schnittflächen sind die zweite Pforte: nach dem Pinzieren wurden von den Wundstellen Cladosporium- und Penicillium-Arten isoliert, an Pflanzen aus Innenräumen zusätzlich Fusarium oxysporum. Auch unbehandeltes Kokossubstrat trägt regelmäßig Pilzsporen, darunter Fusarium.

Abgrenzung zu verwandten Erregern

An Cannabis sind mehrere Fusarium-Arten beschrieben, darunter Fusarium oxysporum und Fusarium solani, die ähnliche Symptome verursachen. Die Unterscheidung gelingt nicht am Schadbild, sondern nur über die Kultur und eine Sequenzanalyse. Im Vergleich besiedelte Fusarium proliferatum den Stängel von Cannabis-Stecklingen ausgedehnter als Fusarium oxysporum.

Was daraus folgt

Weil der Erreger innen wandert und über Stecklinge weitergegeben werden kann, liegt der wirksame Ansatz bei der Hygiene der Mutterpflanzen und der Schnittwerkzeuge, nicht bei einer Behandlung des sichtbaren Bestands. Ein aufgeschnittener Stängel ist dabei das aussagekräftigste Diagnoseobjekt: braunes oder geschwärztes Markgewebe ist ein Befund, ein sauber weißes oder leeres Mark ist keiner.

Quellen