Kieselsäure bei Cannabis – Aufnahme, Einlagerung im Gewebe und die Frage der Quelle

Kieselsäure gilt im Anbau als Mittel für stabilere Stängel und weniger Pilzdruck. Der lange gehandelte Einwand, Cannabis nehme ohnehin kein Silizium auf, ist überholt. Was sich dagegen hartnäckig hält und in die Irre führt, ist die Gleichsetzung von Siliziumgehalt und Pflanzenverfügbarkeit.

Aufnahme und Einlagerung

Cannabis ist kein Nichtakkumulator. Als Kandidaten für den Transport sind Aquaporine vom NIP2-Typ identifiziert, und die Einlagerung wurde in Bastfasern und nicht-drüsigen Trichomen lokalisiert. Die Art gilt damit als intermediärer Akkumulator mit aktiver, transportervermittelter Aufnahme.

Aufgenommen wird Silizium über die Wurzel als gelöste Kieselsäure und mit dem Transpirationsstrom verteilt. In der Pflanze ist es unbeweglich und wird als amorphe Kieselsäure unter der Blattkutikula und in den Zellen der Blattepidermis abgelagert. Wo es einmal liegt, bleibt es liegen.

Warum die Quelle entscheidet

Der Siliziumgehalt eines Präparats sagt wenig über seine Wirkung. Pflanzenverfügbar ist allein die gelöste Kieselsäure, und die Löslichkeit unterscheidet sich zwischen den Quellen um Größenordnungen. In einem Vergleich mehrerer Siliziumquellen lieferten alkalische Quellen wie Calciumsilikat-Schlacke deutlich mehr pflanzenverfügbares Silizium und höhere Aufnahme als Quellen ohne pH-korrigierende Wirkung; zu den letzteren zählten Kaliumsilikat und Kieselgur.

Dass eine Düngung überhaupt ankommt, ist am Bestand belegt: eine Silikatgabe erhöhte den Blatt-Siliziumgehalt von Hanf um das 2,1-Fache.

Gesteinsmehle sind ein Sonderfall. Silikat-Agrominerale geben Calcium, Magnesium, Kalium und Silizium über allmähliche Verwitterung frei, also über Monate bis Jahre und nicht über Wochen. Als Siliziumquelle für eine laufende Kultur taugen sie deshalb wenig, als langfristige Bodenmaßnahme schon.

Ackerschachtelhalm

Der Ackerschachtelhalm ist der stärkste Kieselsäurebildner unter den heimischen Pflanzen; Silikat findet sich dort in Zellwänden, Zellplatten, Plasmodesmen und Spaltöffnungen. Der Gesamtgehalt liegt bei rund 5 % Silizium in der ganzen Pflanze.

Entscheidend ist jedoch die Zubereitung: das maximal wasserextrahierbare Silizium betrug bei einem ungekochten Aufguss nur 0,3 % der Pflanze. Der Löwenanteil liegt als polymerisierte, biogene Kieselsäure vor, die ein Kaltansatz nicht löst. Die überlieferte Empfehlung, das Kraut fünf bis fünfzehn Minuten zu kochen, hat damit eine gemessene Grundlage.

Zu beachten ist außerdem, dass ein Schachtelhalmpräparat nicht nur Kieselsäure enthält, sondern auch Flavonoide, Phenolsäuren und Saponine. Eine beobachtete Wirkung gegen Pilzbefall muss deshalb nicht am Silizium liegen.

Blattspritzung oder Bodengabe

Der Unterschied ist größer, als die Etiketten vermuten lassen. Bei der Bodengabe nimmt die Wurzel die Kieselsäure auf und der Transpirationsstrom verteilt sie in die ganze Pflanze. Bei der Blattspritzung ist der Weg durch die Kutikula schlecht verstanden, und das aufgebrachte Silizium verlagert sich kaum von der Kontaktstelle weg. Eine Blattbehandlung wirkt dort, wo sie auftrifft, und nicht im Stängelinneren.

Für die Krankheitsseite ist das trotzdem sinnvoll: Versuche verbinden wurzelapplizierte Silikate mit erhöhtem Blatt-Siliziumgehalt und verringerter Mehltau-Schwere.

Bezug zur Vermehrung

Ob eine Kieselsäureversorgung die Bewurzelung von Stecklingen verbessert, ist an Cannabis nicht gemessen. Ein Vorbild gibt es an anderer Art: Stecklinge auf der Vermehrungsbank, regelmäßig mit Kaliumsilikat gegossen, zeigten bei fast allen geprüften Sorten mehr Wurzeln, längere Hauptwurzeln und mehr Wurzelmasse als unbehandelte. Übertragbar ist das nicht ohne Weiteres, denn Silizium greift auch in die Ligninbildung ein, und ein stärker verholzender Stecklingsgrund wurzelt bei manchen Arten schlechter.

Quellen