XY-System: wie sich bei Cannabis das Geschlecht entscheidet
Kurz gesagt
Cannabis hat, wie der Mensch, ein XY-System der Geschlechtsbestimmung. Weibliche Pflanzen tragen zwei X-Chromosomen, männliche ein X und ein Y. Weil nur der Vater ein Y weitergeben kann, entscheidet der Pollen über das Geschlecht der Nachkommen.
Getrennte Geschlechter, sichtbar seit einem Jahrhundert
Cannabis ist zweihäusig, das heißt, es gibt getrennte männliche und weibliche Pflanzen. Die Geschlechtschromosomen von Cannabis und Hopfen wurden schon vor rund hundert Jahren entdeckt, weil sich X und Y sichtbar in der Größe unterscheiden. Bei Cannabis ist das Y sogar größer als das X, was unter Pflanzen selten ist.
Ein ungewöhnliches Detail: das Y ist fast leer
Beim Menschen sitzt das geschlechtsbestimmende Gen auf dem Y. Bei Cannabis ist das anders. Durch seine besondere Vererbung ist das Y stark verkümmert und hat viele Gene verloren. Neuere Genom-Analysen finden kein klares geschlechtsbestimmendes Gen auf dem Y. Stattdessen liegt ein Kandidatengen auf dem X, ein Gen aus dem Ethylen-Stoffwechsel, das die Entwicklung der weiblichen Blüte steuert. Man spricht daher davon, dass Cannabis vermutlich kein aktives Y-System besitzt.
Was das für die Nachkommen heißt
Für die Praxis bleibt die Regel einfach. Eine normale Kreuzung XX mal XY liefert ungefähr zur Hälfte weibliche, zur Hälfte männliche Nachkommen. Das Y wandert dabei ausschließlich über den Pollen und nur an die männlichen Nachkommen. Bringt man dagegen eine weibliche Pflanze zur Pollenbildung, trägt dieser Pollen nur X, und alle Nachkommen werden weiblich. Das ist die Grundlage der feminisierten Samen.