Transferfaktor: wie viel vom Boden im Erntegut ankommt

Kurz gesagt

Der Transferfaktor beschreibt, welcher Anteil eines im Boden vorhandenen Stoffes in einem bestimmten Pflanzenteil ankommt. Er hängt am Stoff, an der Art und am Gewebe, und er ist die Größe, nach der gefragt wird, wenn es um die Verkehrsfähigkeit einer Ernte geht.

Warum niedrig zweimal etwas anderes heißt

Für Radiocäsium ermittelte eine belgische Arbeit an Gewächshaus- und Lysimeterversuchen einen Wert in den Hanfstängel von etwa 0,6 × 10⁻³ m²/kg. Daraus folgt zweierlei zugleich, und beides hängt an derselben Zahl. Erstens: auf belastetem Land lassen sich saubere Faser- und Ölprodukte gewinnen, weil kaum etwas in die nutzbaren Teile übergeht. Zweitens: genau deshalb entzieht der Anbau dem Boden auch nichts Nennenswertes. Die Autoren behandeln Faserpflanzen folgerichtig als alternative Landnutzung und nicht als Dekontaminationsverfahren.

Grenzen bleiben trotzdem. Weil Hanffasern mechanisch getrennt werden statt durch Röste, ist ihre Verwendung nach derselben Arbeit auf Flächen unterhalb von 740 kBq/m² beschränkt, und für Samenprodukte raten die Autoren wegen höherer Werte zur Vorsicht.

Wo die Daten fehlen, fehlt die Regel

Die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung führt seit dem 1. August 2023 Prüfwerte für sieben PFAS-Einzelsubstanzen, allerdings nur für den Wirkungspfad Boden-Grundwasser. Für den Pfad Boden-Nutzpflanze gibt es keine, und die Begründung ist genau diese Kennzahl: die Datengrundlage für Transferfaktoren gilt als nicht ausreichend. Die zuständige Fachbehörde in Baden-Württemberg hält exakte Vorhersagen der Aufnahme selbst bei bekannten Bodengehalten derzeit für kaum möglich.

Bezug zu Cannabis

Für den Anbau auf belasteten Flächen ist das die entscheidende Kennzahl, nicht die Gesamtbelastung des Bodens. Sie unterscheidet, ob eine Ernte in den Verkehr darf, und sie erklärt, warum dieselbe Fläche für Fasern taugen kann und für Samen nicht. Was bei Hanf in welchem Pflanzenteil ankommt, steht im Artikel zur Schadstoffaufnahme bei Hanf.

Quellen