Rhizosphäre: der Bodenraum, den die Wurzel selbst gestaltet
Kurz gesagt
Die Rhizosphäre ist die schmale Bodenzone unmittelbar um eine lebende Wurzel. Sie unterscheidet sich vom übrigen Boden, weil die Pflanze dort Kohlenstoffverbindungen abgibt und damit eine dichtere und andere mikrobielle Gemeinschaft ernährt. Dieselbe Erde, wenige Zentimeter weiter, verhält sich anders.
Warum dort Dinge passieren, die sonst ausbleiben
Der Unterschied ist messbar. Im Hanf-Feldversuch sanken vier von sieben nur vorläufig bestimmten PFAS-Verbindungen in der bepflanzten Parzelle um mehr als 20 %, in der unbepflanzten Kontrolle dagegen nicht. Die Autoren vermuten dahinter den mikrobiellen Abbau von Vorläuferverbindungen im Wurzelraum, konnten das bei nur zwei Wiederholungen aber nicht statistisch prüfen. Der Befund steht damit als Hinweis da, nicht als Nachweis.
Deutlicher ist die Lage bei Dioxinen. An einem norditalienischen Altlaststandort senkte von sieben geprüften Arten der Rohrschwingel die Dioxin- und Furangehalte des Bodens am stärksten, um 11 bis 24 % über 18 Monate, und zwar über die Anregung mikrobiellen Abbaus statt über Aufnahme in die Pflanze.
Abgrenzung zum Entzug über die Ernte
Beide Wege heißen im Alltag „Sanierung mit Pflanzen" und tun Gegensätzliches. Bei der Phytoextraktion verlässt der Stoff die Fläche mit der Ernte und muss danach entsorgt werden. In der Rhizosphäre wird er zerlegt und verlässt die Fläche gar nicht. Für PFAS ist das der entscheidende Unterschied, denn die Bindung zwischen Kohlenstoff und Fluor überstehen Pflanzen und ihre Begleitbakterien in aller Regel, ein vollständiger Abbau ist dort also nicht zu erwarten.
Bezug zu Cannabis
Hanf wurzelt tief und schnell, was den Wurzelraum vergrößert. Was dort mit Schadstoffen geschieht, ist für diese Art bislang kaum untersucht, und der einzige Hinweis stammt aus einem Versuch mit zwei Wiederholungen. Was messbar in die Pflanze übergeht, steht im Artikel zur Schadstoffaufnahme bei Hanf.