QTL: die Erbgut-Stelle hinter einem messbaren Merkmal
Kurz gesagt
QTL steht für Quantitative Trait Locus, auf Deutsch etwa: eine Region im Erbgut, die zu einem messbaren, in Abstufungen variierenden Merkmal beiträgt. Solche Merkmale hängen selten an einem einzelnen Gen, sondern an mehreren Genorten zugleich.
Warum es solche Merkmale braucht
Manche Eigenschaften sind klar entweder-oder, etwa der grobe Chemotyp am B-Locus. Viele andere aber sind gleitend: Wuchshöhe, Ertrag, Blütezeitpunkt, der Gehalt eines bestimmten Terpens. Solche kontinuierlichen Merkmale werden von mehreren Genen mit je kleinem Beitrag geformt, zusammen mit dem Umwelteinfluss. Diese beteiligten Genorte nennt man QTL.
Ein QTL ist dabei nicht zwingend das Gen selbst, sondern ein Erbgut-Abschnitt, der eng mit dem eigentlichen Gen gekoppelt ist. Wie viele QTL ein Merkmal formen, verrät seine genetische Architektur: wenige Orte mit großem Effekt oder viele mit kleinem.
Wie man QTL findet
Bei der QTL-Kartierung kreuzt man Eltern mit unterschiedlichen Ausprägungen, misst das Merkmal in der Nachkommenschaft und sucht statistisch nach DNA-Markern, die mit hohen oder niedrigen Messwerten einhergehen. Wo ein Marker zuverlässig mit dem Merkmal zusammenfällt, liegt ein QTL. So lässt sich verorten, auf welchen Chromosomen die relevanten Gene sitzen.
Bezug zu Cannabis
Bei Cannabis kartieren Terpen- und Cannabinoid-Gehalte als QTL auf den Kernchromosomen, mit additiver oder dominanter Wirkung der beteiligten Stellen. Das ist der genetische Grund, warum das Aroma keine Sache eines einzelnen Elternteils ist: Es hängt an mehreren Kern-Genorten, die beide Eltern beisteuern.