Phytostabilisierung: den Schadstoff im Boden festlegen statt ihn zu ernten

Kurz gesagt

Phytostabilisierung verfolgt das Gegenteil der Phytoextraktion: der Schadstoff soll dort bleiben, wo er ist, und gerade nicht in die Pflanze wandern. Bewuchs bindet ihn an Wurzeln und Wurzelausscheidungen, hält den Boden fest und verringert damit den Weg ins Grundwasser. Die Fläche wird nicht sauberer, sie wird ruhiger.

Wann das die sinnvollere Frage ist

Bei vielen Altlasten ist nicht der Bodengehalt das akute Problem, sondern der Austrag. In Mittelbaden und Mannheim liegt in rund 1700 Hektar Ackerland ein großes Reservoir schwer beweglicher PFAS-Vorläuferverbindungen, aus dem ohne Eingriff über Jahrzehnte mobile Verbindungen ins Grundwasser sickern. Unterbunden wird das dort bisher durch örtlichen Bodenaustausch oder durch Versiegelung, also mit Bagger und Beton. Eine Bepflanzung, die denselben Weg verlangsamt, wäre die billigere Antwort auf dieselbe Frage.

Der Unterschied zur Extraktion ist nicht akademisch: die eine Strategie will Masse aus der Fläche holen, die andere will Bewegung verhindern. Wer beides zugleich behauptet, hat eine davon nicht gemessen.

Was dazu belegt ist und was nicht

Der bislang einzige begutachtete Feldversuch mit Hanf auf PFAS-belastetem Boden hat diese Wirkung nicht geprüft. Die Autoren halten fest, dass eine zusätzliche Festlegung durch Sorption an Wurzeln und Wurzelausscheidungen denkbar ist, für Hanf aber nicht eigens untersucht wurde. Damit steht der Nutzen als Möglichkeit im Raum, nicht als Befund. Für Schwermetalle kommt eine Übersichtsarbeit von 2023 zu einem ähnlichen Bild: die meisten Versuche liefen im Gewächshaus, praxistaugliche Bewertungen aus dem Feld fehlen.

Bezug zu Cannabis

Für den Anbau ist die Unterscheidung praktisch relevant. Wer auf einer belasteten Fläche Nutzhanf stehen hat, entzieht dem Boden messbar wenig, hält ihn aber bedeckt und durchwurzelt. Ob das den Austrag ins Grundwasser wirklich senkt, ist für diese Kultur offen. Was der Hanf dagegen nachweislich tut, nämlich Stoffe in Blatt und Stängel einlagern, steht im Artikel zur Schadstoffaufnahme bei Hanf.

Quellen