Maternale Vererbung: wenn ein Merkmal nur von der Mutter kommt

Kurz gesagt

Maternale Vererbung heißt, dass ein Merkmal allein von der Mutterpflanze an die Nachkommen weitergegeben wird, unabhängig davon, was der Vater beisteuert. Der Vater kann dasselbe Merkmal tragen, es taucht bei den Nachkommen trotzdem nur über die Mutterlinie auf.

Woran man sie erkennt

Der saubere Nachweis läuft über die reziproke Kreuzung. Vertauscht man Mutter und Vater und die Nachkommen sehen je nach Kreuzungsrichtung anders aus, kann das Merkmal nicht rein über den Zellkern vererbt sein. Folgt es dabei immer der Mutter, ist es maternal vererbt.

Der Klassiker stammt von Carl Correns: Bei der Wunderblume bestimmte allein die Mutterpflanze, ob die Nachkommen grüne oder gefleckte Blätter bekamen, weil das Merkmal an den Chloroplasten hängt.

Was bei Cannabis maternal vererbt wird

Bei Cannabis betrifft maternale Vererbung die Gene außerhalb des Zellkerns, also die cytoplasmatische Vererbung über Chloroplasten und Mitochondrien. Diese Organellen kommen bei der Befruchtung fast ausschließlich aus der Eizelle, der Pollen steuert sie praktisch nicht bei.

Was nicht dazugehört

Genau hier setzt ein verbreiteter Irrtum an. Aroma und Wirkstoffe von Cannabis werden nicht maternal vererbt, denn ihre Gene liegen im Zellkern und stammen damit von beiden Eltern. In reziproken Kreuzungen zeigt sich kein konsistenter Mutter-Effekt auf die Cannabinoid-Zusammensetzung. Der maternale Beitrag ist real, aber klein und auf die Organellen begrenzt, er bestimmt nicht das Duftprofil.

Quellen