Keimenergie: die Zwischenzählung nach drei Tagen
Ein Keimtest über sieben Tage wird zweimal ausgewertet, und die erste Auswertung hat einen eigenen Namen. Die Keimenergie ist der Anteil der Samen, die bereits nach drei Tagen einen weit entwickelten Keimling gestellt haben. Sie beschreibt, wie zügig eine Partie loslegt. Wer sie mit dem Endergebnis verwechselt, hält eine langsame Partie für eine schlechte.
Was am dritten Tag zählt
Gezählt werden ausschließlich Keimlinge, deren wesentliche Strukturen zu diesem Zeitpunkt vollständig angelegt sind. Ein Samen, an dem gerade erst die Wurzelspitze erscheint, geht in diese Zahl nicht ein.
Die Schwelle ist damit strenger als am Schlusstermin, und das ist ihr Zweck: sie trennt die Vorhut von denen, die noch anlaufen. Am siebten Tag wird dann alles gezählt, was ein normaler Keimling geworden ist, dazu die anormalen und die nicht gekeimten Samen.
Wofür der Wert steht
Die Keimenergie gilt als erster Hinweis auf die Lebensfähigkeit einer Partie und auf ihr Verhalten im Feld. Das ist einleuchtend, denn im Boden konkurriert ein Keimling mit Trockenheit, Verschlämmung und Beikraut, und jeder Tag Vorsprung zählt dort.
Sie bleibt aber eine Zahl über das Tempo. Zwei Partien mit gleicher Keimfähigkeit können weit auseinanderliegende Keimenergien haben, und eine Partie, die spät startet und am Ende vollständig aufläuft, liefert am dritten Tag ein schlechtes und am siebten ein gutes Bild.
Ihr Verhältnis zur Triebkraft
Beide Begriffe zielen auf Qualität jenseits der bloßen Ausbeute, messen aber Verschiedenes. Die Keimenergie misst Geschwindigkeit unter guten Bedingungen. Die Triebkraft misst, was unter schlechten übrig bleibt, und verlangt dafür eine eigene Belastung des Saatguts. Ein feiner abgestufter Tempo-Wert ist der Keimgeschwindigkeitsindex, für den von Tag zwei bis Tag sieben täglich gezählt wird.