Inzuchtdepression: warum enge Kreuzung Pflanzen schwächt

Kurz gesagt

Inzuchtdepression bezeichnet den Leistungsverlust, der auftritt, wenn Pflanzen über mehrere Generationen eng miteinander gekreuzt werden. Wuchskraft, Fruchtbarkeit und Ertrag lassen nach. Schon Darwin beschrieb den Effekt an über fünfzig Pflanzenarten.

Der Mechanismus dahinter

Jede Population trägt eine Reihe schädlicher, rezessiver Erbanlagen. Solange eine Pflanze an der betreffenden Stelle gemischt veranlagt ist, bleibt die schädliche Anlage von der gesunden überdeckt und wirkt sich nicht aus. Enge Kreuzung und Selbstung erhöhen aber die Gleichförmigkeit des Erbguts. Dabei geraten immer mehr Stellen in Doppelkopie, und die schädlichen Anlagen treten paarweise auf und zeigen ihre Wirkung. Das ist der Kern der Inzuchtdepression: mehr Homozygotie legt vorhandene Schadallele frei.

Die Umkehrung: Purging und Heterosis

Der Effekt hat zwei Gegenstücke. Weil enge Kreuzung die Schadallele sichtbar macht, kann die Selektion sie gezielt entfernen, ein Prozess, den man Purging nennt. Und kreuzt man zwei verschiedene Inzuchtlinien wieder miteinander, ergänzen sich ihre gesunden Anlagen, die Nachkommen sind oft kräftiger als beide Eltern. Diesen Zugewinn nennt man Heterosis oder Hybridkraft.

Bezug zur Cannabis-Zucht

In der Cannabis-Zucht ist Inzuchtdepression die Kehrseite des Selfing und der Linienzucht. Wer eine Linie durch fortgesetzte Selbstung stabilisiert, riskiert mit jeder Generation schwächere Pflanzen, sofern nicht gezielt gegen die schädlichen Anlagen selektiert wird. Deshalb wechseln Züchter bewusst zwischen Verengung und Auskreuzung.

Quellen