Filialgeneration – F1, F2 und F3 in der Kreuzungsfolge

Filialgeneration ist nichts als eine Zählweise. F1 ist die erste Tochtergeneration aus zwei Elternpflanzen, F2 geht aus deren Nachkommen hervor, F3 aus derselben Operation eine Stufe weiter. Die Zahl sagt nichts über Qualität und nichts über Einheitlichkeit; sie sagt nur, wie viele Kreuzungsschritte seit dem Ausgangspaar vergangen sind. Wer sie als Gütesiegel liest, liest etwas hinein, was nicht drinsteht.

Warum die erste Generation als einheitlich gilt

Das Bild der uniformen F1 stammt aus einem bestimmten Fall: zwei Linien, die jede für sich reinerbig sind, sich aber in den beobachteten Merkmalen unterscheiden. Reinerbig heißt, dass eine Pflanze an den betreffenden Stellen ihres Erbguts zweimal dieselbe Anlage trägt und sie deshalb unverändert weitergibt. Weil beide Eltern das tun, kann jede Nachkommenpflanze nur dieselbe Kombination erhalten, und die Kreuzung fällt jedes Mal gleich aus.

Beim Mais führt der Weg zu solchen Linien über mehrere Generationen, in denen jede Pflanze mit sich selbst gekreuzt wird. Die entstehenden Inzuchtlinien sind untereinander verschieden, jede für sich aber einheitlich.

Bei Arten, die sich gegenseitig statt selbst bestäuben, gilt ausdrücklich das Gegenteil. Dort beginnt die Auslese bereits in der ersten Tochtergeneration, weil die gewünschten Kombinationen schon dort auftreten können – und weil die Nachkommen ohnehin nicht gleich aussehen.

Was das für Cannabis heißt

Eine F1 aus zwei ausgelesenen Einzelpflanzen ist keine F1 im Sinne des Lehrbuchs, denn die beiden Eltern sind nicht reinerbig, sondern tragen an vielen Stellen zwei verschiedene Anlagen. Wie weit selbst mehrfach ingezüchtete Linien davon noch entfernt sind, ist gemessen und steht im Artikel zur Homozygotie. Echtes Hybridsaatgut entsteht erst aus der Kreuzung zweier nicht verwandter reinerbiger Linien, und die brauchen etwa sechs Generationen enger Verpaarung.

Der Begriff wird im Handel trotzdem so verwendet. Wer „F1" auf einer Tüte liest, erfährt daraus, dass gekreuzt wurde, und nicht, dass die Nachkommen gleich ausfallen.

Was die zweite Generation zeigt

Die F2 ist die Generation, in der sich die Merkmale unabhängig voneinander neu kombinieren, und damit die erste, in der es etwas auszulesen gibt. Für Merkmale, bei denen eine Anlage die andere überdeckt, lässt sich der Anteil ausrechnen: bei n solchen Merkmalen zeigen (3/4)^n der Pflanzen das gewünschte Aussehen, und nur (1/4)^n tragen es reinerbig – bei drei Merkmalen also rund 1,6 % von hundert Pflanzen, was in der Praxis heißt, dass unter hundert Sämlingen ein bis zwei brauchbare stehen. Die F3 hält fest, was in der F2 gefunden wurde: Ausreißer jenseits der Elternspanne etwa bleiben ab der zweiten Tochtergeneration erblich festlegbar.

Warum der Schritt zur F2 bei Cannabis zweideutig ist

Cannabis trägt männliche und weibliche Blüten in der Regel auf getrennten Pflanzen. Aus einer einzelnen ausgewählten Pflanze führt der Schritt zur F2 deshalb nur über eine chemisch ausgelöste Geschlechtsumkehr, bei der eine weibliche Pflanze fertile männliche Blüten bildet. Werden dagegen zwei Geschwister der F1 miteinander gepaart, entsteht dieselbe Generation ohne chemischen Eingriff, allerdings aus zwei verschiedenen Erbbildern statt aus einem.

Beide Wege heißen F2 und liefern nicht dasselbe. Wer den Unterschied nicht macht, meint mit einem Wort zwei Dinge.

Quellen