B-Locus: die Erbgut-Stelle, die THC oder CBD bestimmt

Kurz gesagt

Der B-Locus ist die Stelle im Erbgut von Cannabis, an der sich entscheidet, ob eine Pflanze überwiegend THC oder überwiegend CBD bildet. An dieser Stelle sitzen zwei gleichberechtigte Varianten. Welche Kombination eine Pflanze erbt, legt ihren Chemotyp fest.

Ein Enzym-Gen, zwei Varianten

THC und CBD entstehen aus demselben Ausgangsstoff, der Cannabigerolsäure (CBGA). Ob daraus THC-Säure oder CBD-Säure wird, hängt davon ab, welches Enzym die Pflanze bildet: die THCA-Synthase oder die CBDA-Synthase.

de Meijer und Kollegen schlugen 2003 ein Modell vor, in dem beide Enzyme von zwei Varianten (Allelen) eines einzigen Locus kodiert werden, genannt B. Die Variante für THC heißt BT, die für CBD BD. Die beiden sind kodominant, das heißt, keine der beiden unterdrückt die andere. Eine Pflanze mit je einer Variante bildet beide Enzyme und damit beide Cannabinoide.

Woher die drei Chemotypen kommen

Aus diesem Modell folgt direkt, was Grower in der Praxis sehen. Eine reine THC-Pflanze trägt BT/BT, eine reine CBD-Pflanze BD/BD. Kreuzt man beide, ist die erste Generation durchgehend BT/BD, also Mischtyp. Verpaart man diese Mischtypen untereinander, spaltet die zweite Generation im Verhältnis 1:2:1 auf: ein Viertel reiner THC-Typ, die Hälfte Mischtyp, ein Viertel reiner CBD-Typ. Genau dieses Verhältnis fand de Meijer in allen untersuchten Nachkommenschaften und leitete daraus die Ein-Locus-Vererbung ab.

Warum es sich wie ein einzelner Locus verhält

Genau genommen sind THCA-Synthase und CBDA-Synthase getrennte Gene, wie spätere Genom-Assemblies zeigten. Sie liegen aber so dicht beieinander und rekombinieren so selten, dass sie sich vererben, als wären sie ein einziger Locus mit zwei Allelen. Für die Zucht ist das die entscheidende Vereinfachung: In der Praxis kann man den Chemotyp wie ein einzelnes kodominantes Merkmal behandeln.

Grenzen des Modells

Das Ein-Locus-Bild ist robust, aber nicht das ganze Bild. Neuere Arbeiten fanden im Genom mehrere Kopien und Pseudogene der Synthase-Gene und diskutieren, ob an der Cannabinoid-Bildung nicht doch mehrere Orte beteiligt sind. Für die grobe THC-gegen-CBD-Frage bleibt das Ein-Locus-Modell gültig, für feinere Unterschiede in der Cannabinoid-Zusammensetzung reicht es nicht aus. Der B-Locus erklärt also zuverlässig, ob THC oder CBD dominiert, nicht jede Nuance des Profils.

Quellen