Anthese: der Nullpunkt, ab dem die Blütezeit gezählt wird
Kurz gesagt
Anthese bezeichnet in der Botanik das Öffnen der Blüte, also den Beginn der eigentlichen Blühphase. Bei Cannabis wird sie in Versuchen üblicherweise dann festgestellt, wenn die Hälfte der Pflanzen einer Parzelle die ersten unterscheidbaren weiblichen Blüten zeigt. Sie ist ein beobachtetes Ereignis an der Pflanze, keine Anweisung des Gärtners.
Warum das nicht dasselbe ist wie der Flip
Im Anbau wird die Blütezeit fast immer ab dem Umstellen der Beleuchtung gezählt, also ab dem sogenannten Flip. Zwischen diesem Eingriff und der tatsächlichen Anthese liegen jedoch je nach Sorte und Bedingungen ein bis drei Wochen. Bei tagneutralen Sorten fällt der Unterschied wieder anders aus, weil dort gar keine Umstellung nötig ist.
Beide Zählweisen sind sinnvoll, nur eben nicht ineinander umrechenbar. Wer eine Angabe zur Woche der Blüte gegen eine Angabe zur Woche nach Anthese hält, ohne den Nullpunkt zu prüfen, vergleicht zwei verschiedene Zeitachsen.
Wo der Unterschied konkret weh tut
Beim Erntezeitpunkt. Eine Feldarbeit legt das Maximum des Gesamt-Cannabigerols in die siebte Woche nach Anthese, während eine andere Quelle das Maximum der Cannabigerolsäure um die fünfte Woche der Blüte nennt. Der scheinbare Widerspruch löst sich zu einem guten Teil auf, sobald man beachtet, dass hier zwei verschiedene Nullpunkte gezählt werden.
Bezug zu Cannabis
Für die Praxis heißt das: Wochenangaben aus Studien lassen sich nur dann auf den eigenen Zelt- oder Feldkalender übertragen, wenn dabeisteht, ab wann gezählt wurde. Fehlt die Angabe, ist die Zahl als Orientierung brauchbar, als Zeitpunkt aber nicht. Was daraus für die Cannabinoidentwicklung folgt, steht im Artikel zu Cannabigerol.