Adventivwurzel: eine Wurzel, die dort entsteht, wo keine vorgesehen war

Kurz gesagt

Eine Adventivwurzel ist jede Wurzel, die nicht aus dem Wurzelsystem des Keimlings hervorgeht, sondern nachträglich aus einem Spross, einem Blatt oder einer Knospe. Der Name kommt vom lateinischen adventicius, hinzukommend. Jede Wurzel an einem Steckling ist eine Adventivwurzel, ebenso jede Wurzel, die ein Ableger im Boden bildet.

Woher sie kommt

Adventivwurzeln haben kein festes Ursprungsgewebe. Beschrieben sind Anlagen aus Epidermis, Rinde, Phloem, Kambium, Xylem, Mark und Kallus. Bei verholzenden Pflanzen ist der häufigste Ursprung das junge sekundäre Phloem, also der Bereich nahe dem Kambium. Aus welchem dieser Gewebe eine Wurzel im Einzelfall hervorgeht, gilt in der Vermehrungslehre bis heute als nicht abschließend geklärt.

Der Vorgang läuft in Stufen: Zellen kehren in einen teilungsfähigen Zustand zurück, aus ihnen entsteht ein Wurzelprimordium, dieses wächst heran und bricht schließlich durch die Rinde nach außen.

Vorgeformt oder wundinduziert

Die Vermehrungslehre trennt zwei Fälle. Bei manchen Arten liegen ruhende Wurzelanlagen bereits im Spross und warten nur auf Feuchtigkeit; Weide und Efeutute gehören dazu, und ihre Stecklinge wurzeln fast von selbst. Bei anderen Arten entsteht überhaupt erst nach dem Schnitt eine neue Anlage, ausgelöst durch die Verwundung. Cannabis gehört zur zweiten Gruppe, wurzelt darin aber leicht.

Was sie steuert

Auxin ist der zentrale Regler, weshalb Bewurzelungspräparate darauf beruhen. Es wirkt jedoch nicht allein. In Sonnenblumen-Stecklingen entstanden ohne Bor zwar Zellteilungen, aber keine Wurzelanlagen, und an Mungbohnen wirkte Indolbuttersäure nur bei gleichzeitiger Boratversorgung. Zellteilung und Wurzelanlage sind zwei verschiedene Schritte, und der zweite kann ausfallen, während der erste läuft.

Bezug zu Cannabis

Die gesamte klonale Vermehrung von Cannabis steht auf der Adventivbewurzelung. Untersucht sind an dieser Art bislang Blattzahl, Schnittposition am Mutterspross, Bewurzelungshormon, Lichtspektrum, Kurztag-Vorbehandlung und Substrat. Eine anatomische Arbeit, die zeigt, aus welchem Gewebe die Wurzeln am Cannabis-Steckling tatsächlich hervorgehen, fehlt.

Quellen