Grundbegriffe, einfach erklärt
Hier stehen kurze Erklärungen der Fachbegriffe, die in den Lexikon-Artikeln auftauchen. Jeder Eintrag beantwortet eine Frage: Was heißt dieses Wort, ohne Fachchinesisch? Wer in einem längeren Artikel über einen Begriff stolpert, findet hier die einfache Version.
Vererbung und Genetik
B-Locus: die Erbgut-Stelle, die THC oder CBD bestimmt
Was der B-Locus ist, wie die kodominanten Allele BT und BD den THC-CBD-Chemotyp festlegen, warum F2-Nachkommen im Verhältnis 1:2:1 aufspalten und wo die Grenzen des Ein-Locus-Modells liegen.
Cytoplasmatische Vererbung: die Gene außerhalb des Zellkerns
Was cytoplasmatische Vererbung ist, warum Chloroplasten und Mitochondrien bei den meisten Pflanzen nur über die Mutter weitergegeben werden, wie dieser Ausschluss im Pollen zustande kommt und wo die Regel bricht.
Doppelkreuzung – vier Linien in zwei Schritten
Bei der Doppelkreuzung werden vier reinerbige Linien erst paarweise und dann über Kreuz verbunden, damit das Verkaufssaatgut auf einer kräftigen Kreuzung heranwächst statt auf einer geschwächten Linie.
Einzelkornnachbau – ein Same je Pflanze und Generation
Beim Einzelkornnachbau trägt genau ein Same jeder Pflanze die nächste Generation, und bei Cannabis führt dieses Verfahren in etwa sechs Runden zu funktionell reinerbigen Linien.
Filialgeneration – F1, F2 und F3 in der Kreuzungsfolge
Die Filialgenerationen zählen die Tochtergenerationen einer Kreuzung durch, und erst die zweite davon zeigt, welche Merkmalskombinationen sich überhaupt auslesen lassen.
Geschlechtsumkehr – induzierte Blüten des anderen Geschlechts
Bei der Geschlechtsumkehr bildet eine genetisch weibliche Pflanze fertile männliche Blüten oder eine männliche fertile weibliche, ausgelöst über den Ethylenhaushalt, und darauf beruhen feminisiertes Saatgut wie Selbstung.
Heterosis – der Abstand zwischen einem Nachkommen und dem Mittel seiner Eltern
Heterosis ist der Abstand zwischen einem Nachkommen und dem Durchschnitt seiner beiden Eltern, und an einer einzelnen Kreuzung gemessen ist diese Zahl kaum zu deuten.
Heterozygotie – Mischerbigkeit und ihr Anteil bei Cannabis
Heterozygotie heißt, dass eine Pflanze an einer Stelle ihres Erbguts zwei verschiedene Anlagen trägt, und bei Cannabis ist das der Normalzustand und nicht die Ausnahme.
Homozygotie – reine Linien, ihr Weg und ihr Nachweis
Homozygotie heißt, dass eine Pflanze an einer Stelle ihres Erbguts zweimal dieselbe Anlage trägt, und sie ist die Bedingung dafür, dass eine Kreuzung immer dieselbe Nachkommenschaft ergibt.
Inzuchtdepression: warum enge Kreuzung Pflanzen schwächt
Was Inzuchtdepression ist, wie steigende Homozygotie rezessive Schadallele hervortreten lässt, warum Wuchskraft und Ertrag nachlassen und was Purging in der Zucht bedeutet.
Kopplungsschleppe – warum ein eingekreuztes Gen seine Nachbarschaft mitbringt
Wer ein einzelnes Gen aus einer fremden Linie in eine Sorte holt, bekommt immer ein Stück Chromosom dazu, und wie groß dieses Stück bleibt, entscheidet nicht die Zahl der Kreuzungen, sondern die Stelle im Genom.
Maternale Vererbung: wenn ein Merkmal nur von der Mutter kommt
Was maternale Vererbung bedeutet, wie sie sich in reziproken Kreuzungen zeigt, warum sie bei Cannabis die Organellen-Gene betrifft und warum das Aroma trotzdem von beiden Eltern stammt.
QTL: die Erbgut-Stelle hinter einem messbaren Merkmal
Was ein Quantitative Trait Locus ist, warum kontinuierliche Merkmale wie Terpengehalt oder Wuchshöhe an mehreren Genorten hängen und wie QTL-Kartierung sie im Genom verortet.
Rekombination – Neuanordnung von Allelen in der Kreuzung
Rekombination ist die Neuanordnung von Allelen bei der Bildung der Keimzellen, und sie läuft in manchen Abschnitten des Genoms so selten ab, dass gekoppelte Merkmale dort zusammenbleiben.
Reziproke Kreuzung: der Test auf einen Elternteil-Effekt
Was eine reziproke Kreuzung ist, wie das Vertauschen der Elternrollen zeigt, ob ein Merkmal am Zellkern oder an Mutter beziehungsweise Vater hängt, und was der Test beim Cannabis-Aroma ergeben hat.
Rückkreuzung – Kreuzung eines Nachkommen mit einem Elternteil
Die Rückkreuzung holt das Erbgut eines Elternteils schrittweise zurück, während ein einzelnes Merkmal aus der anderen Linie erhalten bleibt, und ihre Reichweite hängt an zwei Voraussetzungen.
Selfing: die Kreuzung einer Pflanze mit sich selbst
Was Selfing ist, warum beide Erbgut-Hälften aus einem Genom stammen, wie dabei rezessive Merkmale hervortreten und warum fortgesetzte Selbstung in die Inzuchtdepression führt.
Transgression – Nachkommen jenseits der Elternspanne
Transgression bezeichnet Nachkommen, deren Merkmalsausprägung außerhalb der Spanne beider Eltern liegt, und sie entsteht dem gemessenen Fall nach eher aus ähnlichen als aus weit entfernten Eltern.
XY-System: wie sich bei Cannabis das Geschlecht entscheidet
Was das XY-System bei Cannabis bedeutet, warum Weibchen XX und Männchen XY tragen, warum das Y kaum aktive Gene enthält und das geschlechtsbestimmende Gen auf dem X vermutet wird.
Biochemie und Stoffwechsel
Cannabigerolsäure: die Säureform, aus der die Cannabinoide entstehen
Was Cannabigerolsäure ist, warum die Pflanze sie und nicht ihre neutrale Form bildet und weshalb die Unterscheidung zwischen CBGA und CBG bei Laborwerten den Ausschlag gibt.
Cannabinoidsynthase: die Enzyme, die über den Chemotyp entscheiden
Was eine Cannabinoidsynthase tut, warum THCA- und CBDA-Synthase einander so ähnlich sind und weshalb die Weiche zwischen THC und CBD im Labor weniger scharf trennt als in der Lehrbuchgrafik.
Chemotyp: die chemische Identität einer Cannabissorte
Was ein Chemotyp ist, wie Small und Beckstead 1973 die Typen I bis III nach dem THC-CBD-Verhältnis definierten, was die selteneren Typen IV und V bedeuten und warum der Chemotyp aussagekräftiger ist als Indica oder Sativa.
Terpen-Synthase: das Enzym hinter dem Cannabis-Aroma
Was eine Terpen-Synthase ist, wie sie aus GPP und FPP die Duftstoffe von Cannabis baut, warum ein Enzym oft mehrere Terpene bildet und was das für die Züchtung von Terpenprofilen bedeutet.
Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) – Säureform, Umsetzung und Umrechnung
Was THCA ist, warum die Pflanze fast ausschließlich diese Säureform bildet und weshalb der Umrechnungsfaktor 0,877 eine Obergrenze beschreibt und keine erreichte Ausbeute.
Botanik und Entwicklung
Adventivwurzel: eine Wurzel, die dort entsteht, wo keine vorgesehen war
Was eine Adventivwurzel ist, aus welchen Geweben sie hervorgeht und warum ohne sie keine Vermehrung über Stecklinge funktionieren würde.
Anthese: der Nullpunkt, ab dem die Blütezeit gezählt wird
Was Anthese bedeutet, warum sie nicht dasselbe ist wie die Umstellung der Beleuchtung und weshalb dieser Unterschied Angaben zum Erntezeitpunkt unvergleichbar machen kann.
Dormanz: die Keimruhe eines lebensfähigen Samens
Was Dormanz bedeutet, warum südafrikanische Landrassen auf Dormanzbrecher ansprechen und Industriehanf nicht, und was Kaltstratifikation tatsächlich bewirkt.
Rhizosphäre: der Bodenraum, den die Wurzel selbst gestaltet
Was die Rhizosphäre ist, warum dort Abbauprozesse ablaufen, die es im übrigen Boden nicht gibt, und wie sich das von einem Entzug über die Ernte unterscheidet.
Boden und Schadstoffe
Bioakkumulationsfaktor: wie stark eine Pflanze einen Stoff anreichert
Der Bioakkumulationsfaktor vergleicht, wie viel von einem Stoff in der Pflanze steckt und wie viel im Boden, und ein hoher Wert allein macht noch keine gute Sanierungspflanze.
Phytoextraktion: Schadstoffe über die Ernte aus dem Boden holen
Bei der Phytoextraktion nimmt eine Pflanze einen Schadstoff auf und trägt ihn mit der Ernte von der Fläche, und ob das reicht, entscheidet die abgefahrene Masse und nicht die Idee.
Phytostabilisierung: den Schadstoff im Boden festlegen statt ihn zu ernten
Was Phytostabilisierung von der Phytoextraktion unterscheidet, wie Wurzeln und ihre Ausscheidungen einen Stoff binden und warum sie bei Cannabis bisher nicht eigens untersucht ist.
Transferfaktor: wie viel vom Boden im Erntegut ankommt
Wofür der Transferfaktor steht, warum ein niedriger Wert sauberes Erntegut und zugleich eine wirkungslose Sanierung bedeutet und weshalb im deutschen Bodenrecht Prüfwerte daran scheitern.
Verarbeitung
Lecithin – Emulgator in Zubereitungen
Was Lecithin als Emulgator leistet, was zur Bioverfügbarkeit belegt ist und wie eingebundene Restfeuchte auf die Haltbarkeit wirkt.
Mazeration – Auszug in ein flüssiges Medium
Was Mazeration bezeichnet, wovon die Ausbeute abhängt und worin sie sich von der Decarboxylierung unterscheidet.