Saatgut ernten, reinigen und einlagern – der Ablauf in sechs Schritten

Sechs Arbeitsschritte führen von der reifen Pflanze ins Gefrierfach. Jeder endet an einem Zustand, den man sehen oder wiegen kann: die Samen fallen aus den Blüten, das Grün ist weg, das Gewicht steht still, die tauben Körner sind ausgetragen, das Zielgewicht ist erreicht, das Gefäß ist zu.

Getrocknet wird in mehreren Stufen, und das gibt die Reihenfolge vor. Zuerst trocknet das Blütenmaterial, bis es die Samen freigibt. Zwischen den beiden Siebdurchgängen trocknen die Samenkapseln ab, die beim ersten Mal noch hängen. Danach kommt das Korn ins Gleichgewicht mit der Raumluft, was die Dichtetrennung schärft und den Ausgangswert für die Wägung liefert. Zuletzt geht es auf den Wert, mit dem eingelagert wird.

Zwei Prozentangaben laufen dabei nebeneinander her. Der Wassergehalt sagt, wie viel Wasser im Korn steckt; ihn zeigt die Waage. Die relative Luftfeuchte sagt, wie feucht die Luft daneben ist; sie zeigt das Hygrometer. Gebraucht wird das Hygrometer einmal, im Trocknungsraum.

Ernten und trocknen, bis die Samen fallen

Reife Samen sind hart und von grün nach braun umgeschlagen. Als Zeitraum werden etwa 30 bis 35 Tage nach der Blüte genannt, aus einem Schnellzuchtversuch, und 27 bis 46 Tage nach der Vollblüte für Freilandbestände.

Zwei Wege zum Trocknen. Entweder die ganze Pflanze kopfüber aufhängen, oder die Blüten von den Stängeln lösen und getrennt auslegen. Der zweite Weg geht schneller und trennt die Pflanzenmasse früher vom Korn. Die internationale Genbanknorm verlangt, frisch geerntetes Saatgut binnen drei bis fünf Tagen in eine kontrollierte Trocknung zu bringen und es bis dahin nicht über 30 °C oder 85 % Luftfeuchte kommen zu lassen.

Der Zeitpunkt ist erreicht, wenn die Samen beim leichten Drücken und Zerreiben aus den Blüten fallen. Die Stängelchen knacken dann beim Biegen. Fällt nichts heraus und biegt sich das Material noch, ist es zu früh; wer jetzt reibt, quetscht Körner und zerkleinert nur das Grün.

Sieben in zwei Durchgängen

Gearbeitet wird mit einem Siebsatz, hier 5,0 mm, 4,5 mm, 3,6 mm, 3,0 mm, 2,5 mm und 1,8 mm. Zwei davon liegen übereinander: durch das obere wird gerieben, auf dem unteren sammelt sich, was durchgeht.

Erster Durchgang. Die trockenen Blüten über dem groben Sieb mit leichtem Druck zerreiben, bis alles hindurch ist. Auf dem Sieb darunter bleiben die Samen liegen, dazu Körner, an denen noch die Samenkapsel hängt. Nur so viel Druck, dass die Samen sich lösen: die Schale darf weder angeritzt noch gequetscht werden, weil beschädigte Körner ihre Lebensfähigkeit schnell verlieren.

Antrocknen. Das Gesiebte in flache Kisten geben, etwa 60 cm auf 40 cm bei 7 cm Höhe, und einige Tage trocknen lassen. In dieser Zeit trocknen die anhaftenden Kapseln ab und lösen sich.

Zweiter Durchgang. Noch einmal reiben, jetzt über den feineren Stufen. Was sich gelöst hat, fällt eine Stufe tiefer; die Reste der Kapseln gehen als Grus durch die feinste Masche ab. Zwischen 2,5 mm und 3,0 mm fehlt in diesem Satz eine Stufe, in der schwach entwickelte Körner hängen blieben. Welche Maschen passen, hängt an der Sorte; die gemessenen Korngrößen liegen bei 4 mm bis 5 mm Länge und 3 mm bis 4 mm Durchmesser, über Sorten hinweg werden 2 mm bis 6 mm auf 2 mm bis 4 mm berichtet.

Windsichten. In derselben Kiste das Saatgut in eine Ecke schieben, die Kiste schräg halten, darüber pusten. Das leichte Material fliegt hoch, die Körner bleiben liegen. Damit ist das lose Grün weg.

Auf Gleichgewicht trocknen und wiegen

Das Saatgut dünn ausbreiten oder in einen offenen, aufgerollten Beutel geben, der Luft an die Körner lässt. Täglich zur selben Zeit wiegen. Solange die Zahl fällt, läuft der Ausgleich. Bleibt sie über mehrere Tage gleich, ist der Endwert dieser Luft erreicht. Ein einzelner ruhiger Tag reicht nicht: im Labor gilt ein Gleichgewicht erst, wenn drei aufeinanderfolgende Wägungen um weniger als 0,1 Prozentpunkte auseinanderliegen, weil das Wasser im Korn nur langsam nach außen wandert.

Jetzt die Luftfeuchte und die Temperatur des Raums ablesen. Daraus ergibt sich der Wassergehalt, ohne dass eine Probe im Ofen geopfert werden muss, denn im Gleichgewicht legen Luftfeuchte und Temperatur ihn fest. Bei 51 % Luftfeuchte und 26 °C sind es rechnerisch 8,0 %.

Diese 8,0 % sind gerechnet und nicht gemessen. An Hanf gemessen sind zwei Punkte, bei 34 % und bei 94 % Luftfeuchte; 51 % liegt dazwischen. Am unteren Punkt, bei 35 °C, trifft die Rechnung eine von zwei geprüften Sorten genau und liegt bei der anderen 0,3 Prozentpunkte darunter.

Ab hier führt die Waage.

Nach Größe sortieren und Dichtetrennung

Vor der Dichtetrennung wird noch einmal nach Größe fraktioniert, damit im Luftstrom nur noch die Dichte streut.

Im Aspirator fällt das Saatgut gegen einen aufsteigenden Luftstrom. Nach unten zieht die Schwerkraft, die am Gewicht hängt, nach oben der Luftstrom, der an der Größe hängt. Bei gleich großen Körnern entscheidet damit das Gewicht, also die Dichte, und danach trennt das Gerät: leere Körner derselben Größe wie volle trägt der Luftstrom aus, zwei gleich dichte Körner bekommt er nicht auseinander. Ein Sieb kann das nicht, denn es sortiert nach Maß, und ein kleines volles Korn fällt dort in dieselbe Fraktion wie ein großes taubes.

Der vorherige Trocknungsschritt zahlt sich hier aus: ein feuchtes Korn ist schwerer als dasselbe Korn trocken, und solange eine Partie ungleichmäßig abgetrocknet ist, überlappen die Dichtewolken. Das folgt aus der Funktionsweise und ist nicht gemessen.

Eingestellt wird über den Nebenlufteinlass: kommt alles unten heraus, ist der Sog zu schwach; landet alles im Abscheider, ist er zu stark. Bei einer Partie, die sich nicht ersetzen lässt, zwei Durchgänge fahren, den ersten mit schwachem Sog, damit kein gutes Korn mitgeht, den zweiten schärfer. Beide Fraktionen wiegen: damit steht der Ausschussanteil als Zahl fest.

Feintrocknung auf das Zielgewicht

Jetzt geht es unter den Wert, den die Raumluft hergibt. Für Hanf ergibt sich aus den Messreihen ein Zielbereich von 5 % bis 7 % Wassergehalt, um die 6 %, bei denen zwei Lagerreihen ihren Gewinn fanden; weiter zu trocknen brachte dort keinen zusätzlichen Vorteil. Für das Gefrierfach gilt derselbe Bereich, und dort eher nicht sein unteres Ende, weil eine kältere Lagerung den günstigsten Wassergehalt anhebt. Ein Erfahrungssatz aus der Saatgutlagerung setzt die Grenze nach unten: zwischen 4 % und 14 % verdoppelt jeder Prozentpunkt weniger Wasser die Lebensdauer, unter 4 % kann Trocknung bei manchen Arten schaden. Wie die Zahlen zustande kommen und welche Luftfeuchte zu welchem Wassergehalt führt, steht im Artikel über das Trocknen von Saatgut.

Das Zielgewicht steht fest, sobald der Ausgangswert bekannt ist:

Zielgewicht = Anfangsgewicht × (100 − Ausgangsfeuchte) ÷ (100 − Zielfeuchte)

100 g bei 8,0 % ergeben auf 6,0 % ein Zielgewicht von 97,9 g, es müssen also 2,1 g verschwinden; auf 5,5 % sind es 97,4 g und 2,6 g. Diese Mengen sind klein, deshalb braucht es 0,01 g Auflösung. Eine Waage mit 1 g Schritten zeigt vom ersten Tag an dieselbe Zahl.

Vier Wege führen dorthin, und sie unterscheiden sich darin, wie weit sie gehen.

Trockener Raum. Ein entfeuchteter Raum trocknet das Saatgut ohne Zubehör im Gefäß und ohne Aufsicht bis auf den Wert, den seine Luft vorgibt. Genbanken halten solche Räume auf 15 % bis 20 % Luftfeuchte; Hanf käme dort bei Zimmertemperatur rechnerisch auf 4,2 % bis 4,8 %, also unter den Zielbereich. Für Hanf genügen 25 % bis 30 %, das ergibt 5,5 % bis 6,1 %. Teurer ist dieser Weg trotzdem, als vorgetrocknetes Saatgut in dicht verschlossenen Behältern zu halten.

Silicagel. Die Aufnahmefähigkeit hängt an der Luftfeuchte: bei 25 % nimmt ein Kilogramm 125 g Wasser auf, bei 45 % schon 260 g. Zum Trocknen im gleichen Gewicht wie das Saatgut zugeben; diese Menge senkt einen Ausgangswert von rund 16 % auf knapp 6 %. Zum bloßen Trockenhalten in einem verschlossenen Gefäß genügt ein Zehntel des Saatgutgewichts, und schon das zieht eine Partie von 6 % anfangs unter 5 %. Zu viel davon übertrocknet, das Zielgewicht ist die Bremse.

Die Kugeln kommen in einen Stoffbeutel und nicht lose zwischen die Körner, weil beim Mischen Abrieb entsteht. Das gilt besonders für die blaue Variante: ihr Farbanzeiger ist Cobaltchlorid, und das Genbank-Handbuch warnt vor seiner möglicherweise krebserzeugenden Wirkung und rät, bei Staub unter einem Abzug zu arbeiten. Als Ersatz nennt es orange Kugeln, die farblos werden, oder staubarmes Perlgel; ob der Farbstoff der orangen Sorten unbedenklich ist, ist hier nicht geprüft. Ungefärbtes Silicagel trägt keinen Farbstoff. Regeneriert wird getrennt vom Saatgut im Ofen, für Silicagel werden 100 °C bis 175 °C genannt.

Wasserfreies Calciumchlorid. Wirkt wie Silicagel und kostet wenig. Nach Gebrauch wird es entsorgt oder für eine gesättigte Salzlösung weiterverwendet. Ebenfalls in einen Beutel oder eine eigene Schale, nicht ins Saatgut.

Gesättigte Salzlösung. Sie steht in einer offenen Schale im geschlossenen Behälter und stellt dort eine feste Luftfeuchte ein: Lithiumchlorid hält 13 % bei 20 °C, Calciumbromid 18 %, Calciumchlorid 30 % bei 25 °C. Weil sie eine Feuchte einstellt statt Wasser zu ziehen, trocknet sie nie unter den Wert, den diese Feuchte vorgibt, und die Partie braucht keine Aufsicht. Welches Salz passt, entscheidet dieser Wert: Calciumchlorid bringt Hanf rechnerisch auf rund 6 %, mitten in den Zielbereich, Lithiumchlorid auf 3,9 % und Calciumbromid auf 4,6 %, also darunter. Das Saatgut darf die Lösung nicht berühren.

Trocknungsrechner

Sobald das Gewicht über mehrere Tage gleich bleibt, steht das Saatgut im Gleichgewicht mit der Raumluft. Aus Luftfeuchte und Temperatur ergibt sich dann sein Wassergehalt, und daraus das Gewicht, das es für einen Zielwert noch verlieren muss.

Was gemessen wurde

Was gemessen wurde

Die Luftfeuchte wird im Trocknungsraum abgelesen, nicht im Gefäß. Ein Hygrometer im geschlossenen Glas zeigt einen anderen Wert, sobald Trockenmittel darin liegt.

Stand jetzt

Wohin es gehen soll

Zielfeuchtigkeit

Der Zielbereich für Hanf liegt bei 5 % bis 7 %, abgeleitet aus zwei Lagerreihen, die um 6 % ihren Gewinn fanden. Er gilt für Kühlschrank und Gefrierfach gleich; für das Gefrierfach spricht die Beleglage eher gegen das untere Ende. Unter 4 % kann Trocknung schaden.

Alle Zielstufen

Die Zeile zur eingestellten Zielfeuchtigkeit ist hervorgehoben.

ZielfeuchtigkeitZielgewichtNoch zu verlieren

Der Wassergehalt ist aus einer Schätzgleichung berechnet und nicht gemessen; der Rechner setzt einen Ölanteil von 32 % an. An Hanf gemessen sind zwei Punkte: bei 34 % Luftfeuchte und 35 °C trifft die Rechnung eine von zwei geprüften Sorten, bei 94 % liegt sie knapp drei Prozentpunkte zu hoch. Das Zielgewicht selbst ist reine Arithmetik und so genau wie die Waage.

Verschließen und einfrieren

Ob der erreichte Wert hält, hängt am Behälter: am Material und am Verschluss. Welche sieben gebräuchlich sind, wo ihre jeweilige Schwachstelle sitzt und welche drei Fehler mehr kosten als die Materialwahl, steht im Artikel über Lagergefäße für Saatgut.

Bei kleinen Einzelmengen gilt eine eigene Regel: Trockenmittel ist dort nicht als Beigabe gedacht. Ein handelsübliches Tütchen wiegt ein Vielfaches von zwanzig Samen und trocknet die Partie weiter, statt nur ihren Zustand anzuzeigen; ein Zehntel des Saatgutgewichts genügt bereits, um von 6 % unter 5 % zu ziehen. Wer die Feuchte über die Jahre im Blick behalten will, legt den Anzeiger in ein größeres Sammelgefäß, in dem die Einzelverpackungen stehen, und nicht in jede einzelne.

Dann abkühlen und einfrieren. Kommt ein Gefäß später aus dem Gefrierfach, wird es erst geöffnet, wenn es Raumtemperatur erreicht hat, sonst schlägt sich Wasser aus der Raumluft auf den kalten Samen nieder.

Wer die Partie prüfen will, wartet damit oder kühlt vor. An zwei Sorten trug frisches Hanfsaatgut nach der Ernte eine Keimruhe von etwa 35 bis 42 Tagen: 21 Tage nach der Ernte keimten 79 % und 91 %, obwohl eine Färbeprobe 97 % und 96 % lebende Samen zeigte. Fünf Tage bei 10 °C auf feuchtem Papier vor dem Keimtest hoben die Werte auf die Höhe der Färbeprobe, und ab etwa vier Wochen nach der Ernte machte das Vorkühlen keinen Unterschied mehr.

Was nicht belegt ist

Für Cannabis existiert keine veröffentlichte Siebangabe; der Siebsatz oben stammt aus der Praxis eines einzelnen Betriebs und ist nach Sorte zu prüfen. Ein Vergleich von Hand- und Maschinendrusch an Hanf fehlt, und die Regel, nicht zu quetschen, stammt aus der allgemeinen Genbankpraxis. Dass die Vortrocknung die Dichtetrennung schärft, folgt aus der Funktionsweise des Geräts und wurde nicht gemessen. Und unterhalb von 34 % Luftfeuchte existiert für Hanf keine Messung des Gleichgewichts, die Umrechnung von Luftfeuchte in Wassergehalt ist dort gerechnet.

Quellen