Lagergefäße für Saatgut – sieben Materialien und was sie halten
Ein trockener Samen in einer offenen Papiertüte zieht über Wochen die Feuchte der Raumluft an und ist nach einem Jahr auf demselben Wassergehalt, dem Anteil Wasser an seinem Gewicht, wie ein nie getrockneter. Dasselbe Korn in einer versiegelten Metalldose bleibt über Jahrzehnte auf dem Wert, mit dem es verpackt wurde. Dazwischen reihen sich fünf weitere Materialien ein, jedes mit eigenen Stärken und einer eigenen Schwachstelle.
Gas und Wasserdampf wandern durch Kunststoffwände, ohne dass ein Loch nötig wäre. Die Moleküle lösen sich auf der einen Seite im Material, wandern durch die Wandstärke hindurch und treten auf der anderen Seite wieder aus. Wie viel davon ankommt, hängt am Material, an der Dicke und an der Temperatur; Kälte verlangsamt den Vorgang erheblich.
Versiegelte Metalldosen
Weißblech und Aluminium lassen weder Gas noch Wasserdampf durch. Maschinell versiegelte Dosen sind die Referenz der Genbanken, also der Einrichtungen, die Saatgut über Jahrzehnte aufbewahren, und gelten als zuverlässigste Wahl, weil kein Deckel und keine Dichtung im Weg steht. Der Nachteil ist praktisch: eine versiegelte Dose lässt sich nicht wieder verschließen. Wer öffnet, braucht ein neues Gefäß.
Einmachgläser
Die Glaswand ist so dicht wie Metall. Die Schwachstelle sitzt am Deckel: ein Gummiring altert, eine Dichtungseinlage wird spröde. Ob ein Glas nach fünf oder fünfzehn Jahren noch hält, entscheidet sich dort.
Aluminiumverbundbeutel
Ein Laminat aus Polyethylen, Aluminiumfolie und Kraftpapier oder Polyester vereint die Dichtigkeit von Metall mit der Handlichkeit eines Beutels. Heißversiegelt war diese Kombination über zwei Jahre vollständig undurchlässig für Wasserdampf, auch bei starkem Feuchteunterschied zwischen innen und außen. Lichtdicht, flach, günstig. Der Beutel ist nach dem Öffnen verbraucht und braucht eine neue Siegelnaht.
Barrierbeutel aus Nylon und Polyethylen
Das sind die Beutel, die Vakuumiergeräte verwenden. Die Wand besteht aus zwei Schichten: außen Polyamid, bekannter als Nylon, das Gase zurückhält, innen Polyethylen, das sich mit Hitze verschweißen lässt. Diese Kombination hält ein Vakuum deutlich länger als reines Polyethylen, weil die Nylonschicht die Gasbarriere liefert, die Polyethylen allein nicht hat.
Für Feuchtigkeit ist die Barriere schwächer als bei Metall oder Aluminiumlaminat, aber bei Kühlschrank- oder Gefriertemperatur sinkt die Durchlässigkeit stark. Für einige Jahre bei Kühlung eine solide Wahl, für Jahrzehnte ein Aluminiumlaminat oder Metallbehälter sicherer.
Polyethylenfolie
Reines Polyethylen schränkt den Feuchteaustausch ein, sperrt ihn aber nicht. Dickere Folie hält besser als dünne, hochdichtes besser als niederdichtes: eine Folie aus niederdichtem Polyethylen, kurz LDPE, von 25 µm Dicke lässt bei 38 °C und 90 % Luftfeuchte zwischen 16 und 23 g Wasserdampf je Quadratmeter und Tag durch, eine aus hochdichtem, kurz HDPE, bei gleicher Dicke zwischen 4,7 und 7,8 g.
Für Gase ist Polyethylen noch durchlässiger als für Wasserdampf. Ein Vakuum in einem reinen Polyethylenbeutel geht daher innerhalb kurzer Zeit verloren. Für ein bis fünf Jahre bei Kühlung brauchbar, für lange Fristen nicht.
Starre Kunststoffbehälter
Röhrchen und Dosen aus Polypropylen oder hochdichtem Polyethylen schützen mechanisch und schließen über ihren Deckel. Die Wand ist dicker als bei einer Folie und entsprechend weniger durchlässig. Die Dichtung hängt an der Bauart des Deckels und lässt sich nicht pauschal bewerten. Der Vorteil gegenüber Beuteln: der Behälter lässt sich öffnen und wieder verschließen und schützt das Korn vor Druck. Trockenmittel, ein Stoff wie Silicagel, der Wasser aus der Luft aufnimmt, gehört dabei nicht als Beigabe hinein: schon ein Zehntel des Saatgutgewichts zieht eine Partie von 6 % Wassergehalt anfangs unter 5 %, also unter den Zielbereich von 5 % bis 7 %. Wer die Feuchte überwachen will, legt einen Anzeiger, etwa ein Beutelchen Silicagel, das bei Feuchte die Farbe wechselt, in ein größeres Sammelgefäß, in dem die einzelnen Behälter stehen.
Papier, Stoff und Jute
Frei durchlässig für Gas und Feuchtigkeit. Für die Trocknung brauchbar, weil genau dieser Austausch gewünscht ist. Für die Lagerung getrockneten Saatguts ungeeignet, weil das Korn die Feuchte der Raumluft annimmt.
Was jedes Material fordert
Drei Fehler kosten mehr als die Materialwahl. Wer feucht verschließt, sperrt die Feuchtigkeit ein: in einer 18-Monats-Studie an Weizen, Mais, Baumwolle und Quinoa keimten Mais und Quinoa, die mit 14 % Wassergehalt in luftdichte Beutel kamen, am Ende gar nicht mehr und Weizen nur noch zu 18 %, während dieselben Beutel bei 8 % bei allen vier Arten den höchsten Anteil keimender Samen lieferten. Wer ein kaltes Gefäß in warmer Luft öffnet, bringt Kondenswasser auf das Korn; deshalb erst auf Raumtemperatur kommen lassen, dann öffnen. Und wer häufig öffnet, lässt jedes Mal feuchte Raumluft herein; mehrere kleine Gefäße schützen die Partie besser als ein großes.
Quellen
- Willan 1985: A Guide to Forest Seed Handling, Kapitel 7 Seed Storage, FAO Forestry Paper 20/2
- Tolinski 2015: Gas Barrier Properties Enhancement, in: Additives for Polyolefins, 2. Ausgabe, Kapitel 18, Elsevier
- Bakhtavar, Afzal, Basra 2019 (Preprint): Moisture adsorption isotherms and quality of seeds stored in conventional packaging materials and hermetic Super Bag