Cannabissamen lagern – die Restfeuchte führt, nicht die Temperatur
Wer einen Vorrat einlagert, stellt meistens die Temperaturfrage. Die Messungen ordnen es umgekehrt: der Wassergehalt im Korn, die Saatgutfeuchte, bestimmt, wie lange eine Charge keimfähig bleibt, und die Temperatur wirkt erst darunter. Ein feuchter Samen im Tiefkühler ist gefährdet, ein trockener im Schrank hält lange.
Was die Langzeitmessung zeigt
Drei Faserhanfsorten, eine Drogensorte und eine Ruderalform wurden über 66 Monate bei 20, 5, minus 20 und minus 80 °C mit rund 11, 6 und 4 % Saatgutfeuchte gelagert. Bei 11 % Feuchte und 20 °C fiel die Keimfähigkeit aller Varianten in weniger als 18 Monaten auf null. Das ist die Kombination, die in jeder Schublade herrscht, in der eine Tüte offen gelegen hat.
Die Absenkung auf höchstens 5 °C oder auf höchstens 6 % Feuchte hatte einen großen Effekt. Weiter herunterzugehen brachte bei der Temperatur nur noch wenig und bei der Feuchte gar nichts mehr. Von dieser Arbeit lag nur die Kurzfassung vor, die Zahlen stammen aus ihr.
Der praktische Zielbereich
Eine neuere Arbeit nennt 4 bis 10 °C bei 6 bis 8 % Feuchte als sicheren Bereich und beobachtete bei 14 % Feuchte und 21 °C schon nach drei Monaten einen Keimrückgang. Damit liegen Kühlschrankfach und ein Trockenmittel im Behälter genau richtig, und der Tiefkühler ist erlaubt, aber nicht nötig.
Für sehr lange Zeiträume gibt es einen Hinweis aus zweiter Hand: nach 15 Jahren bei minus 10 und bei 10 °C mit 5,7 und 8,3 % Feuchte war die ursprüngliche Vitalität erhalten. Diese Angabe ist in der neueren Arbeit zitiert, nicht dort gemessen. Eine Arbeitsgruppe berichtet außerdem aus eigener Praxis, trocken in wiederverschließbaren Beuteln bei 4 °C gelagertes Hanfsaatgut zeige über sechs Jahre hinaus keinen Rückgang; eine quantifizierte Messreihe steht dahinter nicht.
Warum Einfrieren allein nichts rettet
Der Zusammenhang erklärt, warum widersprüchliche Erfahrungen zirkulieren. Wer feuchtes Saatgut einfriert, konserviert den Schaden nicht, sondern nimmt Eisbildung im Gewebe in Kauf, und wer trockenes Saatgut bei Zimmertemperatur hält, kommt oft überraschend weit. Die Temperatur verschiebt die Kurve, der Wassergehalt entscheidet, ob es überhaupt eine gibt.
Praktisch folgt daraus die Reihenfolge: zuerst trocknen und trocken halten, dann kühl stellen. Ein luftdichter Behälter mit Trockenmittel schlägt eine Papiertüte im Gefrierfach.
Was Kälte nicht leistet
Feuchte Kaltstratifikation bei 4 °C zeigte nach 30 Tagen keinen Unterschied zur Kontrolle. Der Vorteil, der sich nach 60 Tagen einstellte, ist als Lagerungseffekt gelesen worden und nicht als Brechen einer Ruhe. Kälte ersetzt also keine Vorbehandlung und ist im Zusammenhang mit der Dormanz gesondert beschrieben.
Quellen
- Small, Brookes 2012, Temperature and Moisture Content for Storage Maintenance of Germination Capacity of Seeds of Industrial Hemp, Marijuana, and Ditchweed Forms of Cannabis sativa, Journal of Natural Fibers 9(4)
- Cockson et al. 2025, Impact of seed moisture and temperature on hemp seed germination, Agrosystems, Geosciences & Environment
- McDonald, Lubell-Brand 2025, Cold Moist Stratification and Acid Scarification Do Not Significantly Enhance Hemp Seed Germination, HortTechnology 35(4):552