Brasilianische Cannabis-Landrassen – Manga Rosa und die afrikanische Wurzel

Herkunft

Cannabis ist in den Amerikas nicht heimisch, sondern wurde über mehrere transatlantische Wege eingeführt (Überblick unter Cannabis Einfuhr Neue Welt). Die brasilianischen Landrassen kamen über den afrikanischen Sklavenhandel ins Land – einen dieser vier Einführungswege. Verschleppte Angolaner brachten Drogen-Cannabis als fumo de Angola mit; überliefert sind Samen, die in Stoffpuppen und Lendentüchern über den Atlantik kamen.

Der sprachliche Fingerabdruck ist eindeutig: fast alle brasilianischen Cannabis-Begriffe – diamba, liamba, riamba, maconha – sind Kimbundu, die Bantu-Sprache Angolas. Mehr dazu unter maconha Herkunft. Die genaue Datierung ist ein Streitfall: Ein Teil der Forschung setzt die Einführung auf die Mitte des 16. Jahrhunderts (Mott/Carlini), andere erst ins frühe 19. Jahrhundert, wohin die harten Dokumentbelege fallen – etwa das Rioer Verbot von 1830. Als stark gestützt, aber nicht lückenlos zu führen.

Kernregionen

Der Anbaukern liegt im Nordosten – das „Polígono da Maconha" in Pernambuco und Bahia – sowie im Amazonasraum. Der Typ ist eine tropische Sativa, an feuchtwarmes Klima adaptiert.

Lokale Selektion und Adaption

Aus diesem eingeführten Gründerstock wurde über das 20. Jahrhundert eine eigenständige brasilianische Sativa: Generationen offener Bestäubung und regionaler Auslese – auf frühe Reife, Schimmelfestigkeit im feuchtwarmen Klima und den charakteristischen fruchtig-würzigen Ausdruck – formten die benannten Linien wie Manga Rosa. Nicht die Einfuhr, sondern diese lokale Selektion machte aus importiertem Saatgut die heutigen Landrassen: eingeführter Stock, vor Ort zur eigenen Linie gezüchtet.

Die Linien

  • Manga Rosa („rosa Mango", Nordost) – nach der Frucht benannt, die bekannteste brasilianische Linie. Beschrieben als fruchtig-süß mit erhebendem, hellem Sativa-High. Häufig als brasilianische Elternkomponente der White Widow genannt (× südindische Indica) – die Standard-Züchtererzählung ist belegt, dass speziell Manga Rosa die Elternlinie war, bleibt zugeschrieben, nicht hart belegt.
  • Cabeça de Nego / Cabelo de Nego – als Verwandte von Manga Rosa geführt.
  • Santa Maria – brasilianische Sativa, floss ins Autoflower-Umfeld (Lowryder) ein.
  • Brazilian Amazonia, Brazilian Khola – Vendor-Bezeichnungen mit teils widersprüchlicher Herkunftsangabe.

Wichtig zur Namensordnung: Manga Rosa, Cabeça de Nego und Santa Maria sind Frucht-, Orts- oder Beschreibungsnamen, keine Kimbundu-Begriffe. Die Kimbundu-Sprache lieferte die Oberbegriffe (maconha, diamba), die einzelnen Linien wurden in Brasilien lokal benannt. Die Sorten-Sensorik ist charakterisierend beschrieben, nicht laborgemessen.

Charakter zusammengefasst

Brasilianische Landrassen sind tropische Sativas mit fruchtig-süßem Profil und hellem, erhebendem Rausch. Ihr bekanntester Beitrag zur modernen Zucht ist die zugeschriebene Rolle der Manga Rosa in der White-Widow-Linie.

Quellen