Cannabis trocknen – Hängen, Netz, Klima und Endpunkt

Frisch geerntete Cannabisblüten bestehen zu drei Vierteln aus Wasser. Cannabis trocknen heißt, sie auf etwa 12–14 % Wasser zu bringen. Dabei laufen zwei Dinge gegeneinander: Bleiben die Blüten zu lange feucht, wächst Schimmel. Wird zu warm getrocknet, verdunstet das Aroma. Gelungen ist die Trocknung, wenn sie kühl und zügig abläuft und das Ende mit einem Hygrometer geprüft wird.

Hängen oder Netz

Zwei Wege sind verbreitet, und beide funktionieren. Sie unterscheiden sich darin, wann getrimmt wird, also wann man die kleinen Blätter rund um die Blüte abschneidet.

Beim Hängen kommen ganze Pflanzen oder große Zweige kopfüber auf eine Leine, getrimmt wird erst, wenn sie trocken sind. Das funktioniert, weil der Stängel noch eine Weile Wasser an die Blüte abgibt: Sie trocknet langsamer und gleichmäßiger. Für diesen Weg spricht eine Untersuchung von mehr als 2.000 Proben aus drei Jahren Gewächshausanbau. Gehängte, trocken getrimmte Blüten hatten deutlich weniger Hefen und Schimmel als Blüten, die feucht getrimmt und auf Gestellen getrocknet wurden. Die Forscher erklären das mit Wunden: Wer feuchte Blüten trimmt, verletzt die Blattreste, und dort setzen sich Keime fest. Der Nachteil des Hängens: Es braucht Platz, und das Laub an den Zweigen ließ die Keimzahl in den ersten drei Tagen ansteigen. Die großen Sonnenblätter kommen deshalb vor dem Aufhängen ab.

Beim Netz werden die Blüten direkt nach der Ernte abgeschnitten, nass getrimmt und auf Netze gelegt. Ohne Stängel und Laub trocknen sie schneller, und mehrere Netze übereinander brauchen wenig Raum. Der Nachteil: Große Blüten brauchen deutlich länger als kleine, die Trocknung wird ungleichmäßig. Deshalb sortiert man nach Größe und legt die Blüten einzeln mit Abstand aus. Die höhere Keimbelastung aus der Gewächshaus-Untersuchung betrifft diesen Weg. Gemessen wurde sie allerdings an Blüten aus Trimmmaschinen; ob sauberes Trimmen mit der Schere dasselbe Risiko trägt, wurde nicht verglichen.

Für die Praxis heißt das: Wer in einem feuchten Raum trocknet oder schon Schimmel hatte, ist mit dem Hängen auf der sicheren Seite. Wer auf dem Netz trocknet, gleicht den Nachteil aus, indem er sauber schneidet, die Blüten nach Größe sortiert und das Ende mit dem Hygrometer prüft.

Das richtige Klima

Betriebe trocknen bei 18–21 °C, also etwas kühler als ein Wohnzimmer, und bei 50–55 % Luftfeuchte. Die Luftfeuchte sagt, wie viel Wasserdampf die Luft trägt, gemessen an dem, was sie höchstens tragen kann. Unter diesen Bedingungen dauert die Trocknung fünf bis sechs Tage. Die kühle Temperatur schont die Terpene, die Duftstoffe der Pflanze; die mäßige Luftfeuchte zieht das Wasser heraus, bevor Schimmel Zeit zum Wachsen hat.

Viele Anbauer trocknen bewusst langsamer, über zehn bis vierzehn Tage, weil sie sich davon mehr Geschmack versprechen. Gemessen ist dieser Vorteil nicht, das Risiko dagegen schon. Bei zehn Tagen Trocknung bei 16 °C und 50 % Luftfeuchte stieg die Zahl der Hefen und Schimmelpilze auf das Hundertfache, während sie bei Trocknung in wenigen Stunden auf dem Stand frischer Blüten blieb. In einem zweiten Versuch bei 15 °C waren Blüten an der Luft nach vierzehn Tagen noch nicht trocken, und bei einer Sorte hatte am zwölften Tag der Schimmelpilz Alternaria 80 % der Blüten befallen. In die andere Richtung hilft Wärme nicht: Bei 80 °C getrocknet, blieb nur etwa die Hälfte der Terpene übrig.

Für die Praxis heißt das: kühl, aber nicht nass trocknen. Ein Luftentfeuchter hält die Luftfeuchte bei 50–55 %, ein kleiner Ventilator bewegt die Luft im Raum. Sind die Zweige nach einer Woche noch weich, wird die Luftfeuchte gesenkt.

Wann die Blüten fertig sind

Die schnellste Probe ist der Knacktest: Ein dünner Stiel bricht beim Biegen, statt sich zu biegen. Er taugt als erstes Zeichen, zeigt aber oft zu früh an. In einem Versuch hatten Blüten, die nach diesem Kriterium als fertig galten, noch 16–19 % Wasser, normal getrocknete dagegen 13 %.

Verlässlich ist ein Hygrometer, ein kleiner Feuchtemesser. Man legt es mit einer Handvoll Blüten in ein Glas, schraubt den Deckel zu und liest nach ein bis zwei Stunden ab. Der Wert zeigt, wie viel Wasser die Blüten noch an die Luft abgeben. Geteilt durch 100 heißt er Wasseraktivität: 65 % entsprechen 0,65. Unter 62 % kann kaum ein Schimmelpilz wachsen. Zwischen 62 und 70 % überleben noch einige genügsame Arten, und genau dort endet die gewerbliche Trocknung meist. Zeigt das Glas 65 % oder weniger, können die Blüten ins Curing; zeigt es mehr, trocknen sie weiter.

Die Eimer-Methode

Manche Anbauer verlangsamen die letzte Phase: Sie schneiden die fast trockenen Zweige klein, legen sie in Eimer mit Deckel und lassen sie dort einige Tage am Stängel nachtrocknen, bevor die Blüten abkommen. Das Ziel ist, dass die Restfeuchte aus dem Inneren der Blüte und aus dem Stängel sich gleichmäßig verteilt, bevor die Blüte ganz trocken ist. Physikalisch passiert im Eimer dasselbe wie in jedem verschlossenen Gefäß: Die Feuchte gleicht sich zwischen Blüten, Stängeln und Luft aus. Weil die Stängel noch Wasser abgeben, kann die Luft im Eimer dabei feuchter werden als gedacht.

Für die Praxis heißt das: In jeden Eimer gehört ein Hygrometer. Bleibt es unter 62 %, kann kaum Schimmel wachsen. Steigt es über 65 %, bleibt der Deckel offen oder die Zweige kommen zurück an die Luft, bis der Wert fällt.

Was beim Trocknen verloren geht

Die leichtesten Duftstoffe verdunsten zuerst. Nach einer Woche Lufttrocknung machten sie im Duftöl einer Blüte nur noch 46,5 % aus statt 58,7 % im frischen Zustand. Was verdunstet ist, kommt nicht zurück: Übertrocknete Blüten bekommen beim Befeuchten nur Wasser, kein Aroma. Auch die Wirkstoffe, die Cannabinoide wie THC und CBD, verändern sich. Die Pflanze bildet sie als Vorstufe, die Säureform, und ein Teil davon wird beim Trocknen schon zur wirksamen Form, bei langer Lufttrocknung deutlich mehr als bei kurzer. Mehr dazu im Artikel zur Decarboxylierung.

Für die Praxis heißt das: lieber bei 62–65 % im Glas aufhören als zu weit trocknen. Wie es danach im Glas weitergeht, beschreibt der Artikel zum Curing.

Quellen